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Gründungsstory August

Büro für Eskapismus

Abtauchen in eine andere Realität mitten in Hannover-Linden

Als Besucher*in eines Lindener Caféhauses kann man immer mal wieder erleben, wie Gäste von Menschen angesprochen werden: „Bist Du Frank?“ Während die Befragten irritiert die Stirn runzeln, zieht die Gruppe weiter. Sie spielt „Dritter.Vierter.77“, ein Fictional Reality Game des Büros für Eskapismus, bei dem die Grenzen von Realität und Fiktion verschwimmen, und das Team ein Rätsel im Stadtteil lösen will, nämlich Frank bei der Suche nach seiner Silke helfen, die am 3. April 1977 unter mysteriösen Umständen verschwand. Diese Form des immersiven Theaters hat Miriam Wendschoff  ihr Leben lang begeistert. Mit ihrer Gründung des „Büro für Eskapismus“ hat sie in Hannover ihren Traum verwirklicht und bereits im ersten Jahr rund 700 Spielende begeistert.

Miriam, wie erklärt sich der Unternehmensname „Büro für Eskapismus“?
Das ist ein Statement. Ich glaube daran, dass das Bedürfnis, in andere Realitäten einzutauchen, für uns Menschen grundlegend ist. In fiktiven Welten erfährt man Dinge über sich selbst, kann neue Handlungsweisen in einem geschützten Raum testen und vieles mehr. „Eskapismus“ steht ja eigentlich negativ für Flucht aus der Realität. Bei uns wird es zu einem positiven Erlebnis, das auch noch viel Spaß macht, aber nicht unpolitisch sein muss.

Was sind Fictional Reality Games und wie würdest Du Dein Angebot beschreiben?
Vor vielen Jahren war ich als Studentin beim Edinburgh Fringe Festival in Schottland – und hatte beim Theaterfestival quasi mein „Erweckungserlebnis“. Statt als Zuschauer*innen zur Bühne zu blicken, war ich plötzlich selbst mittendrin in der Handlung. Damals war es ein nächtlicher Rundgang durch die tiermedizinische Fakultät mit hohem Erlebniswert. Seitdem bin ich Fan von immersivem Theater und hatte bereits in meiner Zeit als festangestellte Dramaturgin am Schauspielhaus Bochum den Wunsch, mehr davon zu machen. Als dann die Escape Rooms aufkamen, wusste ich, das ist der richtige Zeitpunkt für unser Angebot: Immersives Theater und Escape Rooms haben viel gemeinsam. Bei uns gibt es aber kein starres Regelwerk, keine lange Einweisung, denn alles soll sich so anfühlen, als sei es „real“. Unser Spiel startet beispielsweise mit einer WhatsApp von Frank und schon sind Spielende mittendrin. Hinter dem Startup steht natürlich ein Theaterkollektiv, ohne die Bühnenbildnerin Katharina Laage und ein Netzwerk vieler anderer Kolleg*innen, mit denen ich für verschiedene Projekte zusammenkomme, wäre das nicht möglich. Wir kombinieren Elemente des Theaters mit Escape Room, Installationen und Schnitzeljagd und bieten so ein ganz neues Erlebnis. Die Themen der beiden Spiele „Dritter.Vierter.77“ und „Siebter.Achter.49“ (nur noch bis Ende August spielbar), die wir anbieten, haben inhaltlich gesellschaftliche Relevanz wie den Klimawandel. Während des Spiels interagieren Teilnehmende mit der realen Welt. Die Geschichte ist fiktiv, aber immer mit den realen Orten verbunden.

Welche Ziele hast Du fürs Unternehmen?
Während der Corona-Zeit haben wir ein Onlinespiel entwickelt, das wir kostenlos über die Website anbieten. Damit wollen wir gern an Schulen gehen. Den Workshopbereich will ich unbedingt weiter ausbauen. Theater, Gamification, räumliches Erzählen – ich mag Erlebnisse im analogen Raum und freu mich darauf, davon mehr zu machen. Auch Kooperationen mit Kulturzentren und Schulen wären super, da würden wir uns über Interesse freuen. Und 2021 soll es ein drittes Spiel geben. Wir hatten übrigens für die Accessoires, die wir in Linden installiert haben, jeweils Ersatz gekauft, weil wir Diebstahl befürchteten, aber da ist bis jetzt nichts weggekommen. Die Teilnehmenden zeigen viel Respekt. Klasse.

Welche Tipps hast Du für andere Gründer*innen?
Die behördlichen Hürden waren bei uns schon immens, weil wir durch unser spezielles Angebot nie in irgendwelche Standards passten, das kostet wirklich Nerven! Das haben wir übrigens gerade in der Corona-Krise auch erlebt, aber Anfang Juni durften wir endlich wieder öffnen. Empfehlungen sind wichtig, bei zufriedenen Kunden hat man schnell weiteren Zulauf. Mein Tipp: Unbedingt freiwillig weiterhin in die Arbeitslosenversicherung einzahlen (das muss man direkt bei der Gründung einleiten)! Dank der Beratung von hannoverimpuls bin ich dadurch während des Corona-Shutdowns vergleichsweise weich gefallen.


Kontaktdaten
Büro für Eskapismus
Miriam Wendschoff
www.buero-fuer-eskapismus.de

E-Mail: buero@buero-fuer-eskapismus.de
Facebook: https://www.facebook.com/buerofuereskapismus/
Instagram: @buerofuereskapismus
Miriam Wendschoff über die Zusammenarbeit mit hannoverimpuls:
Im Kulturbereich gibt es viele Berührungsängste mit Themen wie „Wirtschaftsförderung“. Da habe ich eine hohe Bereitschaft bei hannoverimpuls erlebt, sich auf uns und unsere Ideen einzulassen. Neben der fachlichen Hilfe ist auch die emotionale Unterstützung ganz wichtig. Ich habe mit der Beratung wirklich Begleitung auf Augenhöhe gefunden. Das fühlt sich gut an.

Ute Rebel, Projektleiterin Gründung und Entrepreneurship Projekt Gründerinnen Consult, über Miriam Wendschoff und das Büro für Eskapismus:
Die unternehmerische Idee hat einen hohen Alleinstellungswert. Wer einmal ein Fictional Reality Game gespielt hat, weiß, wie liebevoll da mitten im öffentlichen Raum inszeniert wird. Der Vermittlungsansatz macht Spaß, man kann die Leidenschaft dahinter spüren.





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