Gründen heute

Interview

Interview mit Matthew Mockridge

Matthew Mockridge ist in der Startup-Welt als Gründer, Buchautor und Speaker bekannt. Der Mental-Coach ist einer von sechs Söhnen des Schauspiel-Ehepaars Bill Mockridge und Margie Kinsky, bekannt aus der WDR Fernsehserie “Die Mockridges”. Seine Brüder sind ebenfalls im Showbusiness aktiv – beispielsweise sein Bruder Luke, der als Comedian auf den Bühnen und vor der Kamera steht.

In deinem Buch „Dein nächstes großes Ding“ beschreibst du, wie du zu der Idee für dein eigenes erstes großes Ding gekommen bist – deine Partyreihe. Kannst du das noch einmal kurz umreißen? Und war das dein Einstieg in den Startup-Kosmos?

Die Idee zu NEONSPLASH-Paint-Party wurde aus der Not heraus geboren. Wir wollten ein Tech-Start-Up gründen und konnten die Programmierer nicht bezahlen. Eine Party sollte schnellen Cashflow generieren. Weil das Konzept einzigartig sein sollte, haben wir auf ganz besondere und neuartige USPs gesetzt – die Paint-Party war geboren. Alle kommen weiß gekleidet und beschmieren sich mit Neonfarbe. In einer Zeit, in der es nur um VIP-Partys und Anzugträger im Club ging, war das Konzept eine tiefe Sehnsucht der Zielgruppe – die Idee ging um die Welt.

Welche Hürden und Probleme hattet ihr dabei zu bewältigen?

Alle Hürden, die man sich vorstellen kann. Zu langsames Wachstum, dann zu schnelles Wachstum, Unerfahrenheit, Angst, Zweifel, Motivationslosigkeit, Mitarbeiterführung, strategische Planung und so weiter.

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Wie konntet ihr diese überwinden?

Trial and Error. Es gibt Dinge, die man nicht lesen und dabei lernen kann. Wir mussten alles erfahren, indem wir es tatsächlich durchlebt haben – das  ist im Leben eigentlich immer so.

Was würdest du mit dem Wissen von heute anders machen?

Nichts. Ohne genau den Weg gegangen zu sein, wäre ich nicht hier. Ganz ehrlich: Sofort Risiken auslagern und alle Prozesse automatisieren, um selbst ersetzbar zu werden und so “am” und nicht “im” Unternehmen zu arbeiten.

Du hast das Unternehmen ja nicht alleine gegründet. Würdest du grundsätzlich nur im Team gründen? Und welchen Mehrwert siehst du in Teamgründungen?

Viele Hände, schnelles Ende. Wer als Gründer auf die Bedürfnisse von jedem im Team eingehen kann und will und auch langfristig im Team arbeiten will, sollte im Team gründen – die Vorteile sind klar: Auf jeder Position spielt der beste Mann.

Oft redest du vor vielen Leuten, motivierst und stachelst zu Erfolg an. Was ist das Erfolgsrezept, das du den Leuten nahebringen willst?

Menschen müssen nichts Neues lernen, sie müssen sich nur erinnern an all das, was sie als Kinder schon wussten. Mut, Neugier, das Wunder in den kleinen Dingen, Offenheit und ganz wichtig: Es ist völlig egal, was andere über dich denken.

Gibt es da überhaupt ein Patentrezept oder muss sich jeder die Dinge von dir „rauspicken“, die ihm am ehesten weiterhelfen?

Jeder ist auf seiner Reise durchs Leben an seinem ganz eigenen Punkt. An genau diesem spezifischen Moment im Leben räsonieren auch ganz spezifische Geschichten, Ideen und Ansätze. Ich versuche also, vor allem Geschichten aus dem Leben zu erzählen, damit können sich die meisten Zuhörer am besten identifizieren und wiederfinden. Zu sehr im Kopf zu sein, wie bei einem komplexen Buch, wird nie den Weg ins Herz finden – dem Ort, von dem alles ausgeht.

Was denkst du – zu welchen Anteilen hängt der Erfolg einer Gründung von der reinen Idee ab und zu welchem Anteil von den Personen dahinter?

Die Idee ist wertlos. Vision ohne Aktion ist Traumtänzerei.

Als Speaker und Autor hast du bestimmt schon gewaltigen Einfluss auf viele Leute genommen. Was für Leute waren es wiederum, die dich inspiriert haben? Gibt es da irgendwelche Prominente oder Leute, die dich nachhaltig beeinflusst haben?

Es gibt viele total wertvolle Autoren mit wunderbaren Ideen über das Leben oder über Business. Ich habe zahllose Bücher gelesen zu allen möglichen Themen, da sollte jeder sein eigenes finden. Am Ende kommt es aber darauf an, auf sich selbst zu vertrauen.

Du bist mit fünf Brüdern in einer großen Familie aufgewachsen, deine Eltern sind durch die Schauspielerei sehr bekannt. Was war das für ein Umfeld, in dem du aufgewachsen bist und inwiefern waren das Erfahrungen, die dir im Gründungskontext geholfen haben?

Im Schauspiel geht es ums Handwerk. Die Bekanntheit ist Nebeneffekt. Zu verstehen, dass ich mein Handwerkszeug wirklich beherrschen muss, um funktionierendes Business zu realisieren, war eine wichtige Hilfe.

Du hast dir eine Auszeit genommen und warst in Australien. Haben dir die Umgebung und die neuen Eindrücke neue Impulse gegeben? Brodeln in dir schon neue Geschäftsideen? Könntest du schon irgendetwas verraten?

Die Kraft der Pause ist stärker als jede Businessstrategie jemals sein könnte, denn nur das Feld was brach gelegen hat, kann wieder richtig Früchte tragen. Die Natur zeigt vor allem immer sehr deutlich: Du bist genug, auch ohne gesellschaftlichen Erfolg und Anerkennung. Das ist ein sehr heilsamer Gedanke. Im Hinblick auf Geschäftsideen genieße ich gerade eher die Ruhe, die diese Reise mir geschenkt hat. Ansonsten interessieren mich nachhaltige Konzepte, die menschendienlich sind, nicht unbedingt die hundertste Fotosharing-App oder andere Consumer-Tech-Themen.

Zuletzt warst du auch im Fernsehen aktiv, bei der Show „StartUp“ auf Sat1. Welches Fazit ziehst du aus dem Engagement? Und werden wir dich in Zukunft öfter im Fernsehen sehen?

Eine sehr spannende Erfahrung und eine schöne Mission, Gründergeist ins Fernsehen zu bringen. Nun ist es nicht mehr nur Aussehen oder Stimme, die einen berühmt machen, sondern die eigene Idee und Persönlichkeit, die jeder hat. Eine wertvolle Message die ich gerne unterstützt habe.

Du wirst bei der Veranstaltung Gründen heute vor vielen Gründungsinteressierten und Startups sprechen, eine „Kick-Ass Keynote“ halten. Was erwartet da die Zuhörerinnen und Zuhörer?

Echte Geschichten und Erkenntnisse aus dem Gründerleben, ohne Anzug, ohne Powerpoint.

Wieso glaubst du, sind Veranstaltungen wie Gründen heute wichtig für Startups und angehende Unternehmerinnen und Unternehmer?

Sie schaffen Verbindung. Als Gründer ist man in Deutschland leider immer noch viel zu exotisch, viel zu allein und “verrückt”. Diese ganz besonderen Menschen bei einem Event zusammenzuführen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich über ihre geteilten Passionen auszutauschen, ist ein Geschenk – thanks Guys!