Interview mit Nils Seger

Kommunikation als eigenes Geschäftsmodell – das hat jetzt auch Rocket Internet entdeckt und lagert große Teile seiner PR-Abteilung in die neu gegründete Fullservice-Agentur Rckt aus. Rckt soll auch für Start-ups außerhalb der Rocket-Welt offen sein.

Wir sprachen mit Rckt-Co-Gründer Nils Seger.

Welche Medien sind generell für PR von digitalen Projekten am wichtigsten?

Das muss man sehr projektspezifisch abwägen. Grundsätzlich sind Fachmagazine, Tageszeitungen und Wirtschaftspresse sehr wichtig. In jedem Fall sollten sich Gründer mehr trauen und alle Kanäle bespielen, wie etwa Delia Fischer (Westwing) und ihr Auftritt bei Markus Lanz.

Wie gehen Sie in der Regel vor, wenn Sie Start-ups beraten?

Wir sind es von Rocket Internet her gewohnt, die Start-ups mit aufzubauen. D.h., wir gestalten den gesamten kommunikativen Prozess von Anfang an mit. Sei es in Bezug auf den Content, die Webseite, die Werbemotive.

Als Full-Service-Agentur sind für uns drei Bereiche entscheidend: A wie Agenda, darunter verstehen wir die Media Relations. B wie Branding und C wie Content.

Bei diesen beiden Punkten geht es natürlich sehr um das Produkt, um die Marke, um Consumer-Kommunikation mit kreativem und relevantem Content.

Gibt es Strategien, die für den Brand-Aufbau aller Start-ups quasiimmer funktionieren?

Nein, jede Brand ist einzigartig, Brand-Aufbau ist nicht skalierbar. Wichtig ist die Verbindung von interner und externer Unternehmenskultur, um herauszufinden:

Was ist die Mission, was weckt die Leidenschaft, was will das Start-up verändern?

Um das zu verstehen, machen wir Workshops, treffen uns mit den Gründern im Café, tauschen uns aus. Eines gilt aber immer: Das Start-up verfügt in der Regel noch nicht über den Content, also muss der selbst produziert werden.

Hier ist unser Team gefordert, dies sind jetzt etwa 45 Leute aus allen Bereichen, also Kreative, Entwickler, Fernsehleute.

Schreiben Sie noch klassische PR-Meldungen?

Ja, sehr gerne sogar. Wir arbeiten mit digitalen Presseräumen, die unseren Followern Texte, Bilder und Videos bereitstellen.

Wir haben in dieser Ausgabe einen Schwerpunkt auf FinTech-Startups. Haben Sie selbst FinTech-Companies mit aufgebaut, und welche spezifischen Erfahrungen konnten Sie sammeln?

Mein erstes Rocket-Projekt war zum Beispiel Payleven – aber auch Zencap oder Lendico waren dabei. FinTech ist ein großes Trendthema in der Start-up-Szene.

Noch gibt es nicht den einen großen Marktführer, aber schon viele erfolgreiche Modelle und vor allem immer wieder neue Start-ups.

Real-Time-Content und -Marketing sind die Stichwörter für alle Online- PR-Leute.

Nils Seger

Welche Bedeutung hat das für Ihre Arbeit, und können Sie erläutern, worauf es dabei ankommt?

Zu sagen: „Wir geben jetzt bekannt, dass wir ein neues Produkt haben“, funktioniert bei Apple, aber sonst nirgendwo. D.h., wir müssen für unsere Start-ups guten, relevanten Content entwickeln und Teil der Diskussion werden. Darum geht es beim Stichpunkt Content-Marketing.

Sind PR und Brand-Building in digitalen Welten komplett messbar und skalierbar geworden, oder gibt es noch einen persönlichen Faktor abseits von Analysen?

Ganz klar nein! Vieles ist messbar, aber nicht alles. Viele Clicks und Interaktionen geben uns Hinweise auf die richtigen Inhalte, aber die wahre Magie liegt oft zwischen den Zahlen – und wie wir damit umgehen.

Ein Beispiel: Eine Kampagne läuft schlecht, und der Marketingkanal wird direkt in Frage gestellt. Meist liegt es aber an dem Content, und der kann vor allem digital starke Eigendynamiken und Synergien, sowie weitere Kanäle ermöglichen.

Welche Start-up-Themen machen Ihnen am meisten Spaß?

Aufs Thema kommt es nicht so an, wie auf die Leute: Tolle Gründer machen immer Spaß.

Interview aus der StartingUp 02/2015

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