Startup-Impuls

Interview mit Kimberly Jones

Kimberly Jones näht hochindividuelle Kinderkleidung mit verspielten Applikationen. Produziert wird nur auf Nachfrage mit in OTS (Global organic Textile Standard) zertifizierter Bioqualität. Bewusster Konsum statt fast Fashion also – eine Idee, die auch die Jury des Startup-Impuls-Wettbewerbs überzeugt hat, wodurch sie in der Kategorie Solo-Starter den ersten Platz belegt hat. Im Interview spricht sie über ihre Learnings und Erfahrungen aus dem Teilnahmeprozess.

Wie hast du deine Chancen vor der Teilnahme am Wettbewerb eingeschätzt? Hättest du gedacht, dass du einen der Preise gewinnen wirst?
Quatsch, da muss man denke ich sehr bescheiden sein! Ich hatte gerade entschieden, mich voll auf die Selbständigkeit zu konzentrieren und war noch in der Findungsphase meines Unternehmens.
Wie hat die denn diese Bescheidenheit weitergeholfen?
In einem Feedbackgespräch mit den Gutachtern wurden einige Schwächen meiner Planung sichtbar, weshalb ich dachte, dass ich eh keine Chance habe. Dadurch konnte ich ganz offen reden und meine Bedenken und Ängste darlegen, was die Gutachter anscheinend beeindruckt hat.

Lohnt sich eine Teilnahme an dem Wettbewerb aus deiner Sicht auch, wenn man keinen Preis gewinnt?
Also ich habe nicht mit der Absicht am Wettbewerb teilgenommen, zu gewinnen. Ich habe mir erhofft, ein gutes Coaching zu erhalten, was ich letztlich auch bekommen habe. Mit das Wichtigste, was ich aus dem Wettbewerb mitgenommen habe, sind die guten, langfristigen Kontakte. Dass mir jemand zur Seite steht und ich jemanden habe, den ich anrufen kann, wenn ich Fragen habe, ist unglaublich viel Wert!
Was glaubst du waren die ausschlaggebenden Argumente, die die Jury überzeugt haben?
Meine Selbstwahrnehmung als ich vor die Jury getreten bin war, dass da jetzt eine graue Maus mit ihrer kleinen Stellwand kommt und davon erzählt, wie sie näht. Mir haben da schon die Knie geschlackert. Das Feedback war allerdings, dass ich die Jury dadurch überzeugt habe, dass ich wusste, was ich mache und wieso ich es mache, es war einfach die Überzeugung von der Idee.
Aus vielen Wettbewerben gehen insbesondere tech-orientierte Startups als Gewinnende hervor, oft sind die Teilnehmenden männlich. Inwiefern hat dich das verunsichert?
An sich war das für mich nie ein Thema, ich hatte jetzt nicht das Gefühl, als Frau mehr kämpfen zu müssen. Ich war eher beeindruckt von den anderen, teils hochtechnologischen Konzepten, was mich verunsichert hat.
Was genau hat dir der Gewinn gebracht – wie konntest du dein Business weiterentwickeln?
Ich habe einen Laden eröffnet, was ich ohne den Gewinn vermutlich gar nicht gemacht hätte. Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern wäre mir das Risiko zu groß gewesen, einen hohen Kredit dafür aufzunehmen. Zum Schluss gib uns bitte noch einen Tipp für die Teilnahme am Wettbewerb – vielleicht etwas, das dir geholfen hätte, wenn du es vorher gewusst hättest.
Ich würde gerne zwei Tipps geben: Es ist nicht wichtig, die coolste Idee zu haben und das meiste Geld damit machen zu wollen, sondern etwas zu finden, das man liebt und daraus ein Geschäft zu machen. Wichtig ist es, authentisch zu sein.
Außerdem, dass die anderen auch nur Menschen sind. Die Gutachter, Coaches und Menschen, vor denen man pitcht, sind auf deiner Seite und wollen dir helfen. Das festzustellen, hat mir sehr geholfen. Also für alle, die noch unsicher sind: Nehmt am Wettbewerb teil!