Umsteigen statt Aussteigen

Ratsuchende und Unternehmen berichten

Umgestiegen - Erfolgsgeschichten

Wie war das eigentlich - warum wollten Sie wechseln und wie hat das geklappt? Welche Fragen mussten beantwortet, welche Entscheidungen gefällt werden und wer war daran beteiligt? Hier berichten Rastsuchende und Unternehmen von Ihren Erfahrungen im Umsteigeprozess.

Sina-Marie (25 Jahre) erfuhr die gemeinsame Initiative „Umsteigen statt Aussteigen" des mit ESF-Mitteln und durch die Region Hannover geförderten Fachkräftebündnis Leine-Weser, als eine große Hilfe bei ihrer Entscheidung, wie sie ihre berufliche  Zukunft gestalten möchte. "Die Beratung dort gab mir das nötige Selbstbewusstsein, meinen eigenen Weg zu finden.", so Sina-Marie. Sie macht jetzt eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei einem Hersteller elektronischer Geräte in Springe. Zuvor studierte sie fünf Jahre in Bielefeld Bioinformatik.

Mal wieder etwas Praktisches tun

"Ausschlaggebend für meine Entscheidung, das Studium abzubrechen und stattdessen eine Ausbildung zur Industriekauffrau anzustreben, war u.a., dass ich endlich wieder etwas Praktisches tun wollte. Natürlich haben auch finanzielle Gründe dazu beigetragen. In einer Ausbildung kann ich auch bereits Geld verdienen. Im Gegensatz zum Studium gefällt es mir, einen festen Tagesablauf zu haben.“

Kostenfreies und ergbnisoffenes Beratungsangebot

„Umsteigen statt Aussteigen“ bringt Bewerberinnen und Bewerber mit potenziellen Arbeitgebern zusammen und hilft bei der Vermittlung von Aus- und Weiterbildungsangeboten. „In der Schule und auch der Uni war Mathe mein Lieblingsfach und ich bin schon immer ein sehr strukturierter Mensch gewesen, der gerne Dinge plant und organisiert; perfekt für einen "Bürojob". Sina-Marie hat wie viele Ratsuchende das Beratungs- und Unterstützungsangebot genutzt.

Das ergebnisoffene, kostenfreie und vor allem vertrauliche Beratungsangebot wird von den Fachleuten der Region Hannover in enger Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern, etwa der Hochschule Hannover, der Agentur für Arbeit oder dem JobCenter dargestellt.

Matching von Interessenten und Unternehmen

Es ist unterheblich für die Beratung, ob man nach ersten Studienzweifeln abbricht oder tatsächlich noch weiterstudiert. In enger Verzahnung der Wirtschaftsförderer mit den lokalen arbeitsmarktnahen Akteuren erfuhr Sina-Marie, welche Unternehmen ein Interesse speziell an Studienabbrechern für die Besetzung ihrer Ausbildungsstellen haben. Ein Studienabbruch gilt noch heutzutage als Tabu - leider - denn die Praxis beweist das Gegenteil! 

Eine gute Entscheidung

„Tatsächlich haben in meiner Familie alle meine Entscheidung direkt akzeptiert. Alle sagen, dass ich heute viel glücklicher und ausgeglichener wirke, als während des Studiums. Erst als sie weg war, habe ich bemerkt, was für eine große Last ich da eigentlich mit mir rumgeschleppt habe.“

Erste Anlaufstelle für Zweifler

In der Beratungsstelle weiß man, wie sich Abbrecherinnen und Abbrecher fühlen: „Oft kommen Leute zu uns, die sich zunächst als gescheitert ansehen. Doch dafür gibt es keinen Grund, denn ein Umstieg ist auch die Chance, sich neu zu orientieren und zu schauen, welche und Möglichkeiten die Ausbildungsbetriebe außerhalb der akademischen Laufbahn bieten“. „Wir verstehen uns als eine erste Anlaufstelle für Studienzweifler und haben einen großen Pool an potenziellen Arbeitgebern, die solche Quereinsteiger für ihr Unternehmen suchen. Ein Neuorientierungsprozess kann zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen. “

Interesse an Studienabbrecher*innen nimmt zu

Noch verzichten Arbeitgeber in der ländlichen Region in ihren Stellenausschreibungen zumeist auf Formulierungen wie: "Gerne auch Studienabbrecher"/ "Gerne auch über den zweiten Bildungsweg" oder ähnliches. Anders machte es ihr Arbeitgeber, für den sich Sina-Marie letztlich entschieden hat. Dort wurde auch im Vorstellungsgespräch sehr schnell deutlich, dass die Erfahrungen bspw. von Studienabbrecher*innen nicht als Makel sondern als Vorteil versteht. Sie haben bereits sehr gute Erfahrungen mit Bewerber*nnen gemacht, die vor Beginn Ihrer Ausbildung einen etwas anderen Lebenslauf hatten.  „Bei solchen Bewerbungen hatte ich gleich ein viel besseres Gefühl“, so Sina-Marie. "Es wurde mir auch gleich vermittelt, dass ich hier Chancen auf eine Übernahme und vor allem darauf habe, nach der Ausbildung weiter zu machen z.B. mit einem anderen Studium (BWL) oder den Fachwirt/ Betriebswirt zu machen. Auch wurde bereits von Beginn an die Verkürzung der Ausbildungszeit in Betracht gezogen."


„Umsteigen statt Aussteigen“ ist ein Projekt des Fachkräftebündnisses Leine-Weser und der Region Hannover, gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds