Management-Summary
Ziel des jährlichen Gewerbeflächenmonitorings für den Wirtschaftsstandort Region Hannover ist die Erfassung, Aufbereitung sowie Bewertung der gewerblichen Flächenumsätze und des Angebots an verfügbaren und geplanten Gewerbe- und Industrieflächen.
Die Erstellung des Monitorings erfolgt in einer engen Kooperation mit den Städten und Gemeinden der Region Hannover.
Neben der kontinuierlichen Zusammenarbeit im Bereich des Ansiedlungsmanagements werden in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit der Regionalplanung und den Kommunen auch „Leitlinien für die Gewerbeflächenentwicklung“ im Sinne eines Handlungsrahmens für die mittelfristige regionale Flächenentwicklung erarbeitet.
Nur durch eine gemeinsame, kommunal abgestimmte Flächenentwicklung kann langfristig ein marktgerechtes Flächenangebot mobilisiert werden. Die sich in den letzten Jahren verschärfenden Flächenengpässe machen deutlich, dass der Nutzung von Brachflächen- und Innenentwicklungspotenzialen noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss.
Die Regionsversammlung hat dazu bereits im Jahr 2019 ein Regionales Gewerbeflächeninvestitionsprogramm (REGIP) verabschiedet. Ziel des REGIP ist nicht nur die Unterstützung der Kommunen bei Planung und Entwicklung weiterer Gewerbeflächen, sondern vor allem die Förderung nachhaltiger Flächenentwicklung und Brachflächenrevitalisierung.
Der Gesamtumsatz baureifer Gewerbegrundstücke beträgt 2025 insgesamt 29,6 ha und ist damit gegenüber 2024 (19,4 ha) wieder angestiegen. Der Wert liegt jedoch unter dem langjährigen Mittel von 59 ha. In der bis 1992 zurückgehenden Datenreihe weist das Jahr 2025 den zweitniedrigsten Flächenumsatz auf, der niedrigste entfällt auf das Vorjahr 2024.
Mit dem trotz des Anstiegs im langjährigen Vergleich niedrigen Flächenumsatz geht auch eine unterdurchschnittliche Anzahl der Verkaufsfälle einher. Das Jahr 2025 verzeichnet mit 41 Fällen auch hier den zweitniedrigsten Wert der Datenreihe.
Der, wenn auch verhaltene, Wiederanstieg des Flächenumsatzes und der Verkaufsfälle deutet eine gewisse Erholung der Aktivitäten gegenüber dem Rekordtief des Vorjahres an. Durch das weiterhin stark unterdurchschnittliche Niveau kann hier jedoch allenfalls vom Beginn eines Erholungstrends gesprochen werden. Die in den letzten Jahren rückläufigen Umsatzzahlen sind allerdings auch im Kontext des Gebots der Reduktion der Flächeninanspruchnahme zu sehen.
Den höchsten Flächenumsatz verzeichnet Laatzen mit 9,1 ha, gefolgt von Uetze (5,7 ha), der Landeshauptstadt Hannover (4,3 ha) und Garbsen (3,0 ha). Kommunen mit den meisten Verkaufsfällen sind die Landeshauptstadt Hannover mit zehn Fällen, gefolgt von der Wedemark mit vier Fällen sowie Laatzen, Neustadt, Springe und Uetze mit je drei Fällen. Der Schwerpunkt des Flächenumsatzes nach Größenklassen liegt im Jahr 2025 mit knapp 71% bei Flächen bis 5.000 qm und damit leicht unter dem langjährigen Mittel von 75%.
Der Durchschnittspreis aller veräußerten Grundstücke betrug im Jahr 2025 111 €/qm (Vorjahr: 171 €/qm). Während die durchschnittlichen Quadratmeterpreise in der Landeshauptstadt Hannover um 44 % und im direkten Umland im Vergleich zum Vorjahr um 50% sanken, blieben die Preise für Gewerbeflächen in der äußeren Region unverändert.
Bei der Betrachtung der Flächenanfragen, aufgeschlüsselt nach Nutzungsgruppen, belegen die Logistik, Speditionen und Fuhrunternehmen mit knapp 11% aller Anfragen Platz eins, gefolgt von Industrie und Verarbeitendem Gewerbe mit 10 %. Hotels, Gastronomie und Vergnügungsstätten sowie unternehmensnahe Dienstleistungen kommen auf jeweils 9,0 % und Handwerk, (Kfz-)Werkstätten und Tankstellen, das Baugewerbe und die Immobilienwirtschaft stellen jeweils rund 8,0 % der Nachfrage.
Das Gewerbeflächenangebot an B- und F-Plan-Flächen (Stand April 2025) ist mit 682 ha gegenüber dem Vorjahr (651 ha) gestiegen. Allerdings hat sich das Angebot im Verlauf der letzten zehn Jahre um 12 % reduziert. Bezogen auf die Vermarktungsreife gliedert sich das Angebot in:
- 75 ha sofort vermarktbare B-Plan-Flächen (erschlossen, meist kommunales Eigentum),
- 143 ha später vermarktbare B-Plan-Flächen (nicht erschlossen und/oder privates Eigentum),
- 463 ha F-Plan-Flächen (ohne rechtskräftigen B-Plan).
Hinsichtlich der Nutzungsmöglichkeiten sind für Projektentwicklungs- und auch Logistikunternehmen vor allem Industrieflächen (GI-Flächen) wegen der Eignung für Drei-Schicht- oder Nachtbetrieb von Interesse. Das Flächenpotenzial der GI-Flächen in F- und B-Plänen ohne Brachflächen beträgt 42 ha (Vorjahr: 43 ha).
In der Region Hannover gibt es aktuell 13 größere Objekte (insgesamt 82 ha), die potenziell wiedernutzbaren Gewerbe-brachen zugerechnet werden können. Gut die Hälfte dieser Brachflächen befinden sich in der Landeshauptstadt Hannover. Gründe für den derzeitigen Leerstand sind u. a. Altlasten und/oder Altbebauung, die eine Nachnutzung erschweren.
Zusätzlich zu den derzeit beabsichtigten Neuausweisungen von Gewerbeflächen mit B-Plan- oder F-Plan-Festsetzung sind in den Kommunen Vorschauflächen in einer Größenordnung von ca. 483 ha in der Diskussion.
Auf der Grundlage des Gewerbeflächenumsatzes der letzten zehn Jahre wurde die rechnerische Reichweite des Gewerbeflächenangebots der B-Plan-Flächen in Jahren In 13 (im Vorjahr: 14) der 21 Kommunen liegt die Reichweite des Flächenangebots unterhalb der kritischen Fünf-Jahres-Grenze, ein Zeitraum, der im Durchschnitt für die (Über-)Planung und Erschließung neuer F-Plan- oder Vorschauflächen benötigt wird.
Hemmingen, Seelze, Wennigsen und Wunstorf verfügen derzeit über kein Gewerbeflächenangebot mit rechtskräftigem B-Plan.
Leitlinien der Gewerbeflächenentwicklung
Folgende Leitlinien der Gewerbeflächenentwicklung hat die Region Hannover gemeinsam mit den Städten und Gemeinden entwickelt:
- Sicherstellung eines Gewerbeflächenangebots für alle Kommunen mit einer rechnerischen Reichweite von mindestens fünf Jahren als Grundbedarf,
- Mobilisierung zusätzlicher Gewerbeflächen an den Arbeitsstättenschwerpunkten des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP),
- Schaffung von Schwerpunktstandorten für großbetriebliche Ansiedlungen von Industrie- und Produktions- sowie Logistikbetrieben in ausreichender Dimensionierung für die überregionale Vermarktung an autobahnnahen Standorten,
- Mobilisierung unzureichend genutzter Innenentwicklungsareale in Bestandsgewerbegebieten,
- Revitalisierung von Gewerbebrachen, um den Freiflächenverbrauch zu begrenzen,
- höherer ökologischer Standard beim Bauen von Gewerbeparks im kommunalen Einflussbereich.
Zur Umsetzung der Leitlinien hat die Region Hannover u. a. 2019 das Regionale Gewerbeflächeninvestitionsprogramm (REGIP) verabschiedet, um die Kommunen bei regional bedeutsamen Entwicklungsmaßnahmen finanziell zu unterstützen.
Ziel ist es, insbesondere Maßnahmen zur Brachflächen-revitalisierung oder Sanierungsmaßnahmen in bestehenden Gewerbegebieten umzusetzen. Fördervoraussetzungen sind Nachhaltigkeitskriterien und Mindeststandards der städtebaulichen Planung wie bspw. Regenwassermanagement und Bodenschutz, Stadtklima und Biodiversität, Energieversorgung aus erneuerbaren Energien und nachhaltige Mobilität.
© Olaf Mahlstedt
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