Die Region Hannover behauptet ihre Stellung als einer der bedeutendsten Einzelhandelsstandorte Deutschlands. Für das Jahr 2026 wird ein Einzelhandelsumsatz von rund 9,05 Mrd. Euro erwartet und damit ein Zuwachs von mehr als 300 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr.
Mit der gleichzeitig steigenden einzelhandelsrelevanten Kaufkraft bestätigt sich die insgesamt robuste Entwicklung des Handelsstandorts. Die Einzelhandelszentralität geht zwar leicht zurück, bewegt sich mit 121,4 in der Stadt Hannover und 110,0 in der Region jedoch weiterhin auf einem bundesweit überdurchschnittlichen Niveau. Hannover bestätigt damit seine Funktion als bedeutendes Oberzentrum mit einem großen Einzugsgebiet.
Während sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterhin anspruchsvoll darstellen und die Konsumneigung vieler Haushalte zurückhaltend bleibt, zeigt sich der stationäre Einzelhandel stabil. Die steigenden Einzelhandelsumsätze verdeutlichen, dass sich der Wettbewerb zunehmend auf leistungsfähige Standorte und attraktive Handelskonzepte konzentriert.
MarkTstimmung und Trends
Der Strukturwandel im Einzelhandel setzt sich fort, verläuft jedoch differenzierter als häufig angenommen. Während die Zahl der stationären Geschäfte in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, bleibt die Versorgungsfunktion der Region Hannover erhalten. Vielmehr konzentriert sich der Handel zunehmend auf größere und wirtschaftlich leistungsfähigere Standorte. Insbesondere Nahversorgungslagen und Fachmarktzentren entwickeln sich weiterhin stabil, während sich in einzelnen Innenstadtlagen der Anpassungsdruck erhöht.
Die Herausforderungen entstehen dabei weniger durch eine grundsätzlich fehlende Nachfrage als durch den Wandel der Handelskonzepte. Moderne Filialisten benötigen größere, flexibel nutzbare Flächen mit hoher Sichtbarkeit und guter Erreichbarkeit. Viele Bestandsimmobilien, insbesondere ehemalige Warenhäuser, entsprechen diesen Anforderungen nur noch eingeschränkt und müssen zunächst umfassend umgebaut oder neu positioniert werden.
Innenstadt bleibt gefragter Handelsstandort
Die Attraktivität Hannovers zeigt sich unter anderem an der Ansiedlung der spanischen Modemarke Lefties, die im ehemaligen Galeria-Kaufhof-Gebäude ihren ersten Standort in Deutschland eröffnet. Gleichzeitig investiert SportScheck mit einem neuen Flagshipstore an der Georgstraße gezielt in ein erlebnisorientiertes Handelskonzept und setzt damit ein klares Bekenntnis zum Innenstadtstandort. Darüber hinaus prüfen weitere nationale und internationale Handelsunternehmen eine Ansiedlung in Hannover, konzentrieren ihre Standortsuche jedoch nahezu ausschließlich auf die etablierten 1A-Lagen.
Spitzenlagen behaupten sich
Die Mietentwicklung unterstreicht die zunehmende Differenzierung innerhalb des Einzelhandelsmarktes. Nachdem die Spitzenmieten in den vergangenen Jahren nachgegeben hatten, stabilisieren sie sich 2026 bei rund 150 Euro pro qm. Die Durchschnittsmieten entwickeln sich dagegen weiterhin leicht rückläufig. Dies verdeutlicht, dass sich die Nachfrage zunehmend auf wenige hochfrequentierte Innenstadtbereiche konzentriert, während außerhalb der absoluten Spitzenlagen größere Mietabschläge erforderlich bleiben.
Deutlich stabiler präsentieren sich Fachmarktstandorte und Nahversorgungslagen. Vor allem lebensmittelgeprägte Fachmarktzentren profitieren weiterhin von einer konstanten Nachfrage und weisen vergleichsweise geringe Leerstandsquoten auf.
Investmentmarktumfeld
Nach den deutlichen Marktanpassungen der vergangenen Jahre haben sich die Nettoanfangsrenditen weitgehend stabilisiert. Für Geschäftshäuser in 1A-Lagen wird 2026 eine Spitzenrendite von rund 4,9 %, für Fachmarktzentren von rund 5,6 % erwartet. Damit bleibt der Einzelhandel trotz des Strukturwandels eine relevante Assetklasse für Investoren.
Innenstadt im Wandel
Die Entwicklung der Innenstadt wird in den kommenden Jahren maßgeblich durch die Transformation großflächiger Bestandsimmobilien geprägt. Ehemalige Warenhäuser und klassische Handelsimmobilien werden zunehmend zu gemischt genutzten Quartieren weiterentwickelt, in denen Einzelhandel durch Gastronomie, Dienstleistungen, Freizeitangebote oder Wohnen ergänzt wird. Parallel investieren Eigentümer verstärkt in die Modernisierung bestehender Immobilien, um diese an die Anforderungen moderner Handelskonzepte anzupassen.
Die Beispiele der vergangenen Monate zeigen, dass Hannover weiterhin neue Handelsunternehmen anzieht. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird daher weniger die Nachfrage nach dem Standort sein als die Fähigkeit, geeignete Flächen für die nächste Generation von Handelskonzepten bereitzustellen.
Ausblick
Der Handelsstandort Hannover verfügt aufgrund seiner hohen Zentralität, seines großen Einzugsgebiets und der weiterhin hohen Nachfrage namhafter Handelsunternehmen über gute Entwicklungsperspektiven. Der Wandel der Innenstadt wird sich fortsetzen, künftig jedoch stärker durch die Transformation bestehender Immobilien als durch den Neubau geprägt sein. Damit bleibt Hannover einer der dynamischsten Einzelhandelsstandorte Deutschlands, dessen Zukunft maßgeblich von der erfolgreichen Weiterentwicklung seines Immobilienbestands abhängt.
Kontakt
Dr. Kai Ingwersen
Region Hannover
Wirtschaftsförderung
Fachbereich Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung