Die Region Hannover zählt weiterhin zu den bedeutendsten Investmentstandorten außerhalb der sieben deutschen A-Städte. Die wirtschaftliche Diversität, die stabile Nachfrage auf den Nutzermärkten sowie die zentrale Lage machen den Standort sowohl für nationale als auch für internationale Investoren attraktiv. Nach den deutlichen Marktverwerfungen infolge der Zinswende befindet sich der Investmentmarkt inzwischen in einer Phase der Stabilisierung. Die Unsicherheiten der vergangenen Jahre sind zwar noch nicht vollständig überwunden, die Marktteilnehmer verfügen jedoch wieder über eine bessere Orientierung hinsichtlich des Preisniveaus und der Renditeerwartungen.
Das Marktgeschehen bleibt dennoch von einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld geprägt. Die Nachfrage nach Immobilien ist grundsätzlich vorhanden, Investitionsentscheidungen werden jedoch sorgfältiger geprüft und benötigen häufig mehr Zeit als in den Boomjahren. Insbesondere unterschiedliche Preisvorstellungen zwischen Kauf- und Verkaufsseite bremsen weiterhin einen breiteren Aufschwung des Investmentmarktes.
Marktstimmung und Trends
Nach dem langjährigen Aufschwung bis 2021 führte die abrupte Zinswende zu einer grundlegenden Neubewertung nahezu aller Assetklassen. Während sich der Markt in den Jahren 2022 bis 2024 vor allem durch rückläufige Transaktionsvolumina und steigende Renditen auszeichnete, zeigt sich inzwischen eine Beruhigung. Die Phase der starken Preiskorrekturen scheint weitgehend abgeschlossen, wenngleich sich der Markt noch immer in einer Preisfindungsphase befindet. Die zuletzt wieder restriktiver gewordenen Finanzierungsbedingungen erschweren jedoch insbesondere fremdfinanzierte Investments und Projektentwicklungen. Dadurch verläuft die Marktbelebung langsamer als noch zu Jahresbeginn erwartet.
Die Nachfrage konzentriert sich zunehmend auf Objekte mit langfristig stabilen Nutzungsperspektiven. Gleichzeitig gewinnen Value-add-Strategien an Bedeutung. Immobilien mit Modernisierungs- und Entwicklungspotenzial rücken verstärkt in den Fokus, sofern sich diese wirtschaftlich repositionieren lassen. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz bleiben wichtige Investitionskriterien, stehen heute jedoch stärker im Zusammenhang mit der langfristigen Vermietbarkeit und Werthaltigkeit einer Immobilie als mit regulatorischen Anforderungen allein.
Investmentjahr 2025 zeigt weitere Stabilisierung
Der Investmentmarkt für gewerblich genutzte Immobilien entwickelte sich 2025 etwas dynamischer als in den beiden Vorjahren. Mit einem Transaktionsvolumen von rund 494 Mio. Euro (ohne Off-Market-Transaktionen) wurde das Ergebnis aus den Jahren 2023 und 2024 übertroffen. Der langfristige Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von rund 630 Mio. Euro wurde jedoch weiterhin deutlich verfehlt. Eine Rückkehr zu den Rekordjahren vor der Zinswende blieb damit aus.
Im Gegensatz zu den Vorjahren verteilte sich das Marktgeschehen auf eine größere Anzahl mittelgroßer Transaktionen. Rund 60 % des Investmentvolumens entfielen auf Abschlüsse zwischen 20 und 50 Mio. Euro. Großtransaktionen oberhalb von 100 Mio. Euro wurden 2025 nicht registriert. Die Verteilung der Transaktionsgrößen verdeutlicht, dass sich der Markt wieder verbreitert hat, gleichzeitig aber weiterhin deutlich unter dem Volumenniveau früherer Marktphasen liegt.
Auch hinsichtlich der Assetklassen präsentierte sich der Markt wesentlich ausgewogener als in den Vorjahren. Industrie- und Logistikimmobilien stellten mit rund 26 % zwar erneut den größten Teilmarkt dar, dicht gefolgt von Büro- und Geschäftshäusern mit gut 25 %. Darüber hinaus trugen sonstige Nutzungen in einem deutlich höheren Umfang zum Transaktionsgeschehen bei, als noch in den Vorjahren, was auf mehrere Wohnportfolio-Transaktionen zurückzuführen ist. Der Investmentmarkt war damit wesentlich breiter aufgestellt als während der starken Dominanz des Logistiksegments in den Jahren 2023 und 2024.
Erstes Halbjahr 2026: Einzeltransaktionen prägen das Marktgeschehen
Im ersten Halbjahr 2026 wurden gewerbliche Immobilien im Wert von rund 193 Mio. Euro gehandelt. Das Marktgeschehen bestätigt die Stabilisierung des Vorjahres, bleibt jedoch weiterhin von einzelnen größeren Abschlüssen abhängig. Während 2025 vor allem mittelgroße Transaktionen den Markt bestimmten, entfielen im ersten Halbjahr 2026 bereits rund 41 % des Investmentvolumens auf die Größenklasse zwischen 50 und 100 Mio. Euro.
Besonders auffällig ist der außergewöhnlich hohe Anteil von Büro- und Geschäftshäusern am Transaktionsvolumen. Mit knapp 70 % dominierte diese Assetklasse das erste Halbjahr deutlich, obwohl Büroinvestments bundesweit weiterhin eher selektiv erfolgen. Ausschlaggebend hierfür waren einzelne großvolumige Abschlüsse, insbesondere der Erwerb des Riethorst-Ensembles durch die Baum Unternehmenssgruppe. Solche Einzeltransaktionen prägen das Marktbild derzeit deutlich stärker als ein grundlegender Strategiewechsel der Investoren zugunsten von Büroimmobilien.
Auch Transaktionen außerhalb der klassischen Assetklassen gewinnen an Bedeutung. So unterstreicht beispielsweise die Veräußerung des ehemaligen KRH-Krankenhausstandortes in Lehrte zur Entwicklung eines Gesundheits- und Pflegecampus das wachsende Interesse an alternativen Nutzungsformen und langfristig stabilen Betreiberkonzepten.
Käufer- und Verkäuferstruktur verändert sich
Die Käuferstruktur des Jahres 2025 wurde vor allem von Asset- und Fondsmanagern, Immobilienunternehmen sowie Spezialfonds geprägt. Gemeinsam vereinten diese Investorengruppen mehr als drei Viertel des Transaktionsvolumens auf sich. Internationale Investoren waren weiterhin aktiv und erreichten einen Anteil von rund 30 %.
Im ersten Halbjahr 2026 verschob sich das Bild deutlich. Projektentwickler und Bauträger stellten mit gut der Hälfte des Investmentvolumens die größte Käufergruppe, gefolgt von Eigennutzern. Diese Entwicklung ist jedoch maßgeblich auf einzelne großvolumige Transaktionen zurückzuführen und sollte nicht als grundsätzlicher Strukturwandel interpretiert werden.
Auf Verkäuferseite dominierten 2025 insbesondere Projektentwickler und Spezialfonds. Im ersten Halbjahr 2026 traten dagegen verstärkt Versicherungen, Pensionskassen und öffentliche Eigentümer als Verkäufer auf. Insgesamt zeigt sich ein weiterhin aktiver Markt, in dem die Eigentümerstruktur zunehmend heterogener wird.
Renditen stabilisieren sich
Nach den deutlichen Renditeanstiegen infolge der Zinswende hat sich die Entwicklung im Jahresverlauf 2025 spürbar beruhigt. Für das Jahr 2026 werden lediglich noch marginale Veränderungen der Nettoanfangsrenditen erwartet. Dies deutet darauf hin, dass die Phase der starken Marktanpassungen weitgehend abgeschlossen ist.
Die Spitzenrenditen bewegen sich aktuell bei rund 5,1 % für Büroimmobilien in zentralen Lagen, 5,0 % für Logistikimmobilien sowie 4,9 % für Einzelhandelsimmobilien in 1A-Lagen. Die weiterhin bestehende Renditespreizung innerhalb einzelner Assetklassen verdeutlicht jedoch die zunehmende Differenzierung zwischen Core-Objekten und Immobilien mit Repositionierungsbedarf.
Ausblick: Erholung verläuft schrittweise
Die Region Hannover bleibt aufgrund ihrer wirtschaftlichen Struktur und ihres diversifizierten Immobilienmarktes ein attraktiver Investmentstandort. Das Interesse institutioneller und privater Investoren ist grundsätzlich vorhanden. Einer stärkeren Marktbelebung stehen jedoch weiterhin unterschiedliche Preisvorstellungen sowie restriktive Finanzierungsbedingungen entgegen. Dadurch verlaufen Transaktionsprozesse häufig langwieriger als noch in den Boomjahren.
Nach den deutlichen Renditeanpassungen der vergangenen Jahre spricht vieles dafür, dass sich der Investmentmarkt zunehmend stabilisiert. Kurzfristig ist jedoch nicht mit einer Rückkehr zu den Rekordumsätzen früherer Jahre zu rechnen. Stattdessen dürften auch in den kommenden Quartalen selektive Investitionen sowie Value-add-Strategien und die Revitalisierung bestehender Immobilien das Marktgeschehen prägen.
Kontakt
Dr. Kai Ingwersen
Region Hannover
Wirtschaftsförderung
Fachbereich Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung