Nachlese

Neuromarketing für die Wissensvermittlung

Rückschau auf das Austauschforum Wissensmanagement vom 8.2.2017 mit Gesa Lischka

Wissenskleber - so bleibt auch was hängen

eine Rückschau von Anke Wittich

Informationen wirken permanent auf uns ein, aber nur wenige bleiben uns im Gedächtnis. Frau Gesa Lischka von der Kochstraße - Agentur für Marken GmbH stellte in ihrem Vortrag den Einfluss von Bildern, Videos und Emotionen auf die Wahrnehmung von Informationen sehr eindrucksvoll dar.

Im sog. Priming werden zwei Systeme unterschieden:

  • Im System 1 erfolgt die Handlung schnell, unbewusst und intuitiv.
  • Handlungen im System 2 sind rational begründet, werden aber auch als schwierig empfunden und daher gern vermieden.

Bei der Wissensvermittlung gilt es daher zunächst das System 1 zu bedienen, damit das System 2 mit Lerninhalten aktiv werden kann.

Vom Reptiliengehirn...

Ein Wissensnehmer kann schon im System 1 steckenbleiben. Dieses Phänomen lässt sich mit der Verarbeitung von Sinneseindrücken im Gehirn erklären. Informationen werden zunächst mit dem sog. Reptiliengehirn aufgenommen. Hier entscheidet das Gehirn in überlebensnotwendig wichtiger Zeit, ob von der Information Gefahr ausgeht oder nicht („fressen oder gefressen werden“). Schon zu diesem frühen Zeitpunkt können wir unsere Zuhörer und Wissensnehmer als Wissensgeber verlieren.

...zum Limbischen System

Ist das Reptiliengehirn als Torwächter positiv überwunden, setzt das Limbische System ein. Emotionen zu den erhaltenen Informationen entscheiden an dieser Stelle über die Weiterverarbeitung. Erst im Anschluss daran findet eine Informationsaufnahme und Verarbeitung über den Neokortex statt.

Das Reptiliengehirn kann mit entsprechendem „Futter“ überwunden werden. Das kann eine von der Norm abweichende Information sein, bildliche Darstellungen, ein Konflikt, positiv belegte Gesichter, Bewegung und wie immer in solchen Situation auch „Sex“. Diese Aktivitäten können auch unter dem Motto „Menschen, die nichts fühlen bewegen sich nicht“ zusammengefasst werden.

Um zu überzeugen muss also diesem Prinzip folgend zunächst Aufmerksamkeit erregt werden (Reptiliengehirn überwinden), dann Emotionen geweckt werden (Limbisches System anregen), um Informationen vermitteln zu können (im Neokortex angekommen).

Methoden, um zu überzeugen

Hierfür stellte Frau Lischka einige Methoden vor:

  • Das Gehirn bewertet einfache Informationen eher als wahr, schön und weniger riskant und damit vertrauenswürdiger. Daher gilt es zunächst zu vereinfachen (TMI= To much information-Effekt). Das oben beschriebene System 1 wird überwunden, im System 2 kann gearbeitet werden.
  • Der multisensorische Effekt stellt die Bedeutung unterschiedlicher Sinne bei der Informationsvermittlung dar. Je mehr Sinne angesprochen werden, umso einfacher können komplexe Informationen vermittelt werden.
  • Storytelling ist eine weitere Methode um Fakten besser zu „verpacken“ und dem Zuhörer bilderbasiert zu präsentieren.

Bei der Vermittlung von längeren Informationseinheiten muss das Reptiliengehirn immer wieder angesprochen und mit positivem Futter versorgt werden, damit die Aufmerksamkeit des Wissensnehmers nicht verloren geht.

Neuromarketing und Wissensvermittlung

Diese Darstellung der Informationsaufnahme stammt aus dem Bereich des Neuromarketings und soll den Kunden zum Kauf von Produkten inspirieren. Das Gehirn reagiert auf Informationen im beruflichen Umfeld aber nicht anders auf die dort einströmende Informationsflut. Daher können die oben aufgeführten Hinweise sehr gut auf Wissensvermittlungsprozesse übertragen werden.

Ein Einstieg darf den Wissensgeber nicht verschrecken und muss Interesse wecken. Über klar definierte Lernziele werden positive Emotionen geweckt. Erst jetzt kann der Wissensgeber ohne Ängste über die folgende Situation mit positiver Erwartungshaltung Informationen gehirngerecht aufnehmen, sei es bei Produktpräsentationen wie in der Werbung oder bei Vorträgen im Unternehmensalltag oder in Fortbildungen mit intensiven Informationsblöcken. System 1 ist überwunden, das rationale System 2 kann erfolgreich arbeiten.

Die Handlungskette „Angst überwinden – Emotionen wecken – Informationen vermitteln“ legt nach den Forschungen im Neuromarketing ebenfalls einen Grundstein in der Wissenskommunikation.

Mehr Informationen unter www.kochstrasse.de und www.gfwm.de


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