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„Gute“ Medizin im Fokus

6. Hannoverschen Strategietags der Gesundheitswirtschaft

Kaum eine andere Branche ist so von Dynamik, aber auch unterschiedlichen Interessen geprägt, wie die Gesundheitswirtschaft.  Wie kann sich dabei aus Sicht der Akteure „gute“ bzw. die „beste“ Medizin im Sinne einer optimalen Versorgungsqualität durchsetzen? Gute Versorgungsqualität ist möglich und bezahlbar, wenn alle Akteure an einem Strang ziehen. Dazu bedarf es allerdings einiger, aber nicht abwegiger Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen, so die zentrale Forderung von 220 Experten aus der Branche auf dem 6. Hannoverschen Strategietag der Gesundheitswirtschaft in Hannover.

Hannover, 8. November 2013.

Die moderne Medizin ist von zahlreichen Spannungsfeldern und großem Fortschritt geprägt, die jedoch in ihrer Dynamik die Patienten, aber auch die Politik oft zurücklassen. Doch was ist „gute Medizin“ eigentlich aus Sicht der beteiligten Branchenakteure und der Patienten – und wie kann sie sich, gerade auch unter dem Primat der allgegenwärtigen Kostenfrage, durchsetzen? Und: Wie kann die Politik die Rahmenbedingungen für die „beste“ Medizin schaffen? 

Diesen für die Zukunft des deutschen Gesundheitswesens zentralen Fragen widmete man sich gestern auf Einladung der hannoverimpuls GmbH und der Schönermark Kielhorn Collegen Beratungsgesellschaft mbH beim Strategietag der Gesundheitswirtschaft, der bereits zum sechsten Mal Entscheider und Expertinnen von Kostenträgern, Leistungserbringern, Industrie, Patienten und Politik aus ganz Deutschland nach Hannover brachte. Vorträge und Workshops beleuchteten das Thema aus Sicht der jeweiligen Interessengruppen. Während auf Kostenträgerseite vor allem langfristige und ganzheitliche Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen diskutiert wurden, standen für die Leistungserbringer neben Finanzierungsfragen auch Themen wie zunehmende Bürokratisierung, Personalengpässe und deren Folgen zur Diskussion. „Gute Medizin“ ist aber auch zunehmend abhängig von der Unternehmens- und Führungskultur in den Einrichtungen: Besonders das „Teaming“, das heißt die aktive Kollaboration über alle Disziplinen und Sektoren hinweg, könne nachweislich zu einer nachhaltigen Verbesserung der Versorgungsqualität führen, erläuterte Prof. Dr. Amy C. Edmondson von der Harvard Business School, die live zugeschaltet war, in ihrem vielbeachteten Keynote-Beitrag. Aus Sicht der Industrie standen besonders die restriktiven ordnungspolitischen Rahmenbedingungen im Fokus sowie die Frage, wie man aktiver an der Versorgung teilnehmen könnte. Umgekehrt wurde aus der Perspektive der Patienten bemängelt, dass zu starke Einflussnahme von Industrie und Kostenträgern eher verhindere, dass „gute“ Medizin im Patientensinne sich durchsetze. Den Patienten falle es zu schwer, „gute“ Medizin von „schlechter“ zu unterscheiden und ihre Präferenzen würden zu wenig berücksichtigt.

Als Ergebnis des Strategietags wurden zentrale Thesen und Kernforderungen an die Akteure der Gesundheitsbranche – und an die Politik – zusammengefasst. Dazu zählten der Aufruf, den Datenschutz so zu modernisieren, dass eine Messung und Dokumentation der Versorgungsqualität umfassend gelingen könne und die Umstellung von Anreizsystemen, so dass gute Medizin sich mehr lohne als schlechte.

Diese Forderungen wurden direkt vor Ort dem „Praxistest“ mit der Politik unterzogen, die mit Prof. Dr. Karl Lauterbach, dem gesundheitspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und der niedersächsischen Gesundheitsministerin Cornelia Rundt prominent vertreten war. „Gute Medizin bedeutet für die Patienten, dass diese verlässlich sein muss – unabhängig vom Wohnort und vom Geldbeutel. Wichtig ist eine bessere Vernetzung der Akteure in neu konzipierten Gesundheitsregionen. Nur hierdurch lassen sich innovative Konzepte für eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung auf dem Land entwickeln“, fasste die SPD-Politikerin die Ziele der niedersächsischen Landesregierung zusammen.Prof. Lauterbach, der derzeit für die SPD die gesundheitspolitischen Grundsätze für die große Koalition verhandelt und als aussichtreicher Kandidat für das Amt des Bundesgesundheitsministers gilt, erläuterte, wie das Thema Qualität in der neuen Legislaturperiode verankert werden könne. Insbesondere in den Krankenhäusern sieht er einen hohen Veränderungsbedarf. „Jeder Patient sollte vor seiner Behandlung genau erfahren, wie sein Krankenhaus bei der geplanten Behandlung dasteht im Vergleich zum Durchschnitt“, so Lauterbach.   

Ein Erfolg war der Strategietag aus Sicht der Ausrichter: „Als führender Gesundheitsstandort haben wir in Hannover den Anspruch, die Qualität des deutschen Gesundheitswesens aktiv mitzugestalten. Der Strategietag hat sich erneut als ausgezeichnete Plattform dafür bewährt und gibt auch in diesem Jahr wieder Antworten auf die wichtigsten Zukunftsfragen der Branche “, sagte hannoverimpuls-Geschäftsführer Ralf Meyer. „Die Technologien und Geschäftsmodelle für einen wettbewerblich orientierten Gesundheitsmarkt sind vorhanden. Jetzt fehlt es nur noch an politischem Willen und unternehmerischem Mut“, ergänzt Prof. Dr. Matthias P. Schönermark, Mitveranstalter und geschäftsführender Gesellschafter der SKC Beratungsgesellschaft.