Gründen heute 2015

Das Startup-Event „Gründen heute“ am 13. Juni 2015 gab wieder Einblick in die neuen Trends der Existenzgründung.

Gründungsinteressierte aus Hannover und der Region traffen Entrepreneure, Business Angels, Investoren, Coaches, Gleichgesinnte und digitale Marktführer aus ganz Deutschland.

Gründen, scheitern, wieder aufstehen

Die Szene der Jungunternehmer wandelt sich – bei einem Treffen im Pavillon zeigten jetzt einige ihre Ideen

Max Schild und Yannick Pieper haben an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover studiert, sind beide 24 Jahre alt und sehen leidenschaftlich gern fern. Sie möchten sich über das, was da läuft, mit Freunden austauschen – am besten in Echtzeit und ohne ein zweites Gerät wie etwa einen Computer oder ein Handy nutzen zu müssen.  „Dann haben wir uns überlegt, dass man mithilfe einer App Untertitel für die laufende Sendung einblenden kann. So können Menschen, die dieselbe Sendung sehen, miteinander kommunizieren“, sagt Schild. Fernsehen sei schließlich schon immer ein soziales Erlebnis gewesen. „In den Schulen, Firmen und Büros wurde und wird über Fernsehsendungen diskutiert.“ Die beiden Hannoveraner betrachten ihr Projekt nicht nur als Zeitvertreib, sondern als Geschäftsidee. Seit einem Jahr sind sie mit der Gründung ihrer Firma Tytle beschäftigt. Am Sonnabend stellten sie sich und ihre Pläne ihresgleichen vor. Zum dritten Mal fand im Raschplatz-Pavillon die Veranstaltung „Gründen heute“ statt.

Rund 150 Jungunternehmer und solche, die es werden wollen, trafen sich auf Initiative der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Hannoverimpuls. „Seit drei, vier Jahren prägt eine neue Kultur die Szene“, sagt Christof Starke, Bereichsleiter der Gründungswerkstatt bei Hannoverimpuls. Die Digitalisierung weiter Bereiche der Wirtschaft sei der Auslöser. „Es herrscht ein ganz anderes Tempo als früher“, erklärt Starke. Sogenannte Start-ups entwickeln ihre innovativen Ideen rasch, starten schnell, testen am Kunden, optimieren im Prozess. Geld besorgt man sich nicht mehr unbedingt über Banken, sondern über Crowdfunding oder einen Business Angel. Diese Engel waren oft selbst Gründer, haben ihre Unternehmen erfolgreich verkauft oder an die Börse  gebracht und helfen nun ihren Nachfolgern – natürlich mit Renditeerwartung. „Neu ist auch, dass die Szene sich gut vernetzt. Wer eine Idee hat, betrachtet sie nicht mehr als Geheimnis, sondern redet darüber“, erklärt Starke. Im Pavillon war davon was zu sehen. Viele der Besucher hatten das Alter von 30 Jahren noch nicht überschritten, so ziemlich jeder hatte mindestens ein elektronisches Kommunikationsgerät dabei. Die Sprache war durchsetzt von Anglizismen; Einführungsvorträge hießen somit Keynotes.

Im Rücken der Redner befand sich eine große Twitterwall, auf der Botschaften von drinnen nach draußen und zurück zu sehen waren. „Hier rauchen schon vor dem Start die Köpfe. So soll es sein“, freute sich ein Twitterer namens Thorsten Ramus. Sascha Schubert ist eine Art Doyen des Metiers in Deutschland. Der Berliner hat drei Unternehmen und zwei Organisationen gegründet, darunter den Bundesverband Deutsche Startups. „Berlin ist der Hotspot in der deutschen Gründungsszene, weil man dort ständig jemanden trifft, der irgendwie involviert ist. Es gibt orchestrierte Kollisionen“, sagt Schubert und meint damit solche von Leuten, die einander helfen können. Aber, ja, natürlich könne man auch in Hannover gründen. Bleibt die Frage, was passiert, wenn es schiefgeht. Wenn die Welt zum Beispiel nicht wirklich mithilfe von eingeblendeten Untertiteln über Fernsehen reden will. Antwort: Dann macht das nicht viel. „90 Prozent der Gründer scheitern mit ihrem ersten Versuch, 60 Prozent mit dem zweiten“, erklärt Schubert. Wichtig sei, dass Scheitern nicht als Makel angesehen werde. Max Schild und Yannick Pieper von Tytle glauben an ihre Idee. Rückschläge gab es auch schon: Ihr Programmierexperte hat ein Angebot bekommen, das er nicht ablehnen mochte. Er arbeitet jetzt im Silicon Valley. Als Schild das erzählt, geht ein Raunen durchs Publikum.

Die neue Lust am Gründen

Die Zahl der Firmengründungen in der Region Hannover hat im ersten Quartal des Jahres  stark zugenommen. 545 neue Unternehmen sind in diesem Zeitraum ins Handelsregister eingetragen worden, das ist ein Allzeithoch. Die Gründungswerkstatt von Hannoverimpuls bemerkt diesen Trend ebenfalls. „Bei uns ist die digitale Wirtschaft stark vertreten, aber nicht nur“, sagt Bereichsleiter Christof Starke. Gründer sind im Schnitt knapp 35 Jahre alt; deutlich mehr Männer als Frauen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Was auch auffällt: Es gibt weniger Notgründungen als noch vor einigen Jahren, also solche durch Unternehmer, die ihren Job verloren oder erst gar keinen bekommen haben und so keine andere Alternative sehen. Folglich steigt die Anzahl der sogenannten  Lustgründungen. „Die Leute glauben an ihre Idee und wollen sie umsetzen“, sagt Starke. In der Regel treten sie nicht als Einzelpersonen an, sondern in Teams von zwei bis fünf Mitgliedern.

Hier geht es zu den Impressionen 2015:

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