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Wirtschaftstrends im Blick

Hannover auf Platz 2 der Logistikregionen

Logistikstudie der bulwiengesa AG zeigt neueste Entwicklungen: Revitalisierung bestehender Gewerbeflächen wird wichtiger

Die Region Hannover/Braunschweig gehört bundesweit zu den Top-Standorten der Logistik. Zusätzlich stehen Unternehmensimmobilien als neuer Investitionsschwerpunkt auch im Fokus von Investoren. Kommunen sind deshalb gefordert, im innerstädtischen Bereich aktiv zu werden, um Gewerbeflächen zu halten und gleichzeitig die Entwicklung neuer Gewerbeflächen nicht aus dem Blick zu verlieren.

So lauten die Ergebnisse der Veranstaltung für Wirtschaftsförderer vom 29.02.2016 im Neuen Rathaus, die von der Landeshauptstadt Hannover und der bulwiengesa AG gemeinsam organisiert wurde.

 

Logistik-Veranstaltung

Die Veranstaltung im Gobelinsaal des Neuen Rathauses war mit  rund 40 Teilnehmern gut besucht.

Ziel der Veranstaltung unter dem Motto „Wirtschaftstrends im Blick“ war, die aktuellen Diskussionsthemen Logistik und Unternehmensimmobilien in die Wirtschaftsförderung zu tragen. Insbesondere Logistikimmobilien stehen aufgrund ihres hohen Flächenbedarfs im Fokus. Die vorgestellte neue Logistikstudie der bulwiengesa AG zeigte deutlich die neuesten Entwicklungen auf und stellte die Hauptakteure in diesem Segment vor. Besonders erfreulich: In der Region Hannover/Braunschweig wurden in den Jahren 2010 bis 2014 insgesamt eine Million Quadratmeter Logistikfläche fertiggestellt. Sie liegt damit bundesweit auf Platz zwei und in der Spitzengruppe unter 28 Regionen. Auch internationale Anleger investieren hier immer mehr, so die Studie, nach der rund 70% der Investitionen von Investoren außerhalb von Deutschland vorgenommen werden. Beim Investmentvolumen rangiert die Region auf Platz fünf. „Deutschland liegt im Mittelpunkt von Europa, wird daher weiterhin für Investoren interessant sein und im Logistikbereich weiter wachsen“, betonte Christof Prange, Head of Business Development bei Goodman Germany, in der anschließenden Diskussion.

Daneben gewinnt auch die Unternehmensimmobilie zunehmend an Bedeutung. Diese gemischt genutzten Gewerbeobjekte haben typischerweise eine mittelständische Mieterstruktur und können Büro-, Lager-, Fertigungs-, Forschungs- und Serviceeinrichtungen umfassen. Beispiele sind Produktions-, Logistik- und Gewerbeparks. Aufgrund der ungenügenden Transparenz im Deutschen Immobilienmarkt wurde die „Initiative Unternehmensimmobilien“ gegründet, der mittlerweile zwölf Marktakteure aus der gewerblichen Immobilienwirtschaft angehören. Die bulwiengesa AG fungiert als Geschäftsstelle. „Die Anforderungen an Gewerbeimmobilien ändern sich“, so Hendrik Staiger, Vorstand der BEOS AG, der die Initiative und den Markt vorstellte. „Gerade vor dem Hintergrund der Industrie 4.0 müssen Gebäude smarter und insgesamt flexibler werden.“

Redner Logistik-Veranstaltung Feb16

 

Auf dem Podium diskutierten (von links nach rechts): Werner Rehse (Senior-Experte Standortplanung und Werktechnik, Volkswagen Nutzfahrzeuge), Dr. Dietmar Düdden (Geschäftsführer Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft), Kay de Cassan (Leiterin Fachbereich Wirtschaft, Landeshauptstadt Hannover), Ralf-Peter Koschny (Vorstand bulwiengesa AG), Christof Prange (Head of Business Development, Goodman Germany), Hendrik Staiger (Vorstand BEOS AG)

Die Vorträge lieferten die Grundlage für eine intensive Diskussion zu Herausforderungen, Konsequenzen und Möglichkeiten für die unterschiedlichen Akteure. Moderiert von Ralf-Peter Koschny, Vorstand der bulwiengesa AG, diskutierten am Nachmittag Vertreter der Immobilienwirtschaft und der Wirtschaftsförderung mit Teilnehmern aus Städten und Ballungsräumen von Wien über das Ruhrgebiet bis Hamburg. Im Mittelpunkt standen das zunehmende Problem der Flächenknappheit und mögliche Lösungsansätze. Gewerbeimmobilien stehen unter dem wachsenden Druck der Megatrends, wie Globalisierung, Digitalisierung und insbesondere dem veränderten Konsumverhalten der Verbraucher. Hinzu kommen technische Innovationen, die zukünftig mehr Fläche benötigen werden. „Die Produktionstechniken werden sich sicherlich auch in der Zukunft weiterentwickeln“, sagte Werner Rehse, Senior-Experte Standortplanung und Werktechnik bei Volkswagen Nutzfahrzeuge. „Produktionszuwächse, beispielsweise durch technischen Fortschritt, werden wie in der Vergangenheit, letztlich in der Summe zu einem höheren Flächenverbrauch führen.“ Dr. Dietmar Düdden, Geschäftsführer der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft, ergänzte in Bezug auf die häufig diskutierten Auswirkungen der Industrie 4.0: „Wir müssen kontinuierlich besser werden, um den Abstand zu anderen Nationen zu halten. Für neue Geschäftsmodelle und technologische Innovationen brauchen wir auch in der Zukunft zusätzliche Flächen.“ Die Nutzung sogenannter Brownfields, Flächen ehemaliger Produktionsanlagen oder Industrieareale, kann eine Lösung sein. Aber der Aufwand für die Nutzbarmachung dieser Immobilien ist hoch. „Es ist ganz wesentlich, dass die Kommunen bei alternden Gewerbeflächen schnell aktiv werden, damit Infrastruktur und Gebäude nicht endgültig zerstört sind“, so Hendrik Staiger. Ein zukünftiger Schwerpunkt für die Wirtschaftsförderung könnte daher in der Unterstützung der Revitalisierung von Gewerbeimmobilien liegen. Die Zusammenarbeit mit Projektentwicklern gewinnt an Bedeutung.