Gründungsstory Juni 2026: Nartillus
Wer mit seiner Familie schon mal im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover war, kommt an dem 3D-Film über den T-Rex nicht vorbei! Die stereoskopische Animation läuft seit Jahren täglich in Schleife, aber nur die wenigsten kennen die spannende Geschichte und Entstehung dieses Exponats. Arthur Ulmann war Student, als er den Film erschuf. Heute gründet er in Hannover ein Studio, das genau das zur Berufung macht: naturwissenschaftliche Inhalte mit moderner 3D-Grafik visualisieren. Mit seinem Studio Nartillus macht er sichtbar, was sonst verborgen bleibt: ausgestorbene Tiere, biologische Prozesse und Daten aus der Forschung.
Arthur, was genau machst du?
Ich unterstütze Museen, Science Center und Forschungseinrichtungen dabei, wissenschaftliche Inhalte visuell verständlich zu machen – mit 3D-Animationen, interaktiven Exponaten und Datenvisualisierungen. Es geht darum, Phänomene, Hypothesen und Forschungsergebnisse zu präsentieren und sie so zu erklären, dass sie hängen bleiben.
Wie bist du auf die Idee gekommen?
Eigentlich ziemlich früh – auch wenn ich es damals noch nicht so klar benennen konnte. Parallel zum Kommunikationsdesignstudium habe ich als Werkstudent in der Forschung und Entwicklung bei Volkswagen gearbeitet, mit der Aussicht auf einen sicheren Job und gutem Gehalt. Dann kam ein attraktives Projektangebot vom Landesmuseum Hannover: eine 3D-Animation über einen T-Rex.
Ich habe mich für den T-Rex entschieden. Und damit eigentlich auch für meinen Weg.
Bereust du das?
Manchmal. Sicherheit hat ihren Wert. Aber wenn ich heute sehe, wie Erwachsene und Kinder vor meinen Animationen stehen und den Mund vor Begeisterung aufreißen, dann weiß ich, warum ich es getan habe. Nach dem T-Rex folgten immer mehr Projekte aus dem naturwissenschaftlichen Bereich. Ich habe schnell verstanden, dass es einen hohen Bedarf gibt, komplexe Inhalte visuell verständlich zu machen.
Du hast dann sogar noch Biologie studiert – warum?
Ich wollte verstehen, wie Naturwissenschaft funktioniert. Wie gehen Forschende an bestimmte Problemstellungen ran? Welche Methoden zu Versuchsaufbau und Durchführungen gibt es und wie kann ich diese in kreative Design Prozesse übertragen? Also Laborarbeit, Protokollführung, Datenanalyse, Dokumentation, wissenschaftliche Publikationen. Ich habe weit über den Tellerrand geschaut. Und das hat meine Arbeit und meine Art zu denken und zu entscheiden komplett verändert. Heute kann ich mich viel besser in die Perspektive von Forschenden hineinversetzen. Ich verstehe die Inhalte und kann sie mithilfe spezialisierter Visualisierungstools so übersetzen, dass sie auch für eine breite Öffentlichkeit nachvollziehbar sind.
Wann wurde daraus ein Geschäftsmodell?
Das Modell entstand schrittweise. Schon während des Bio-Studiums habe ich für Professoren Animationen erstellt, die sie in Vorlesungen und Fachvorträgen eingesetzt haben. Parallel kamen Anfragen von Museen. Nach dem Studium habe ich dann bewusst den Weg zurück in die 3D-Branche gesucht, in der Werbung, im Film, in Start-up Umgebungen. Dabei habe ich viel gelernt. Irgendwann war klar: Ich will genau an einer ganz bestimmten Schnittstelle arbeiten – zwischen Design und Naturwissenschaft. So ist die Idee zu Nartillus entstanden.
Was macht Nartillus besonders?
Nartillus bewegt sich in vier Bereichen: dem Vergangenen, dem Verborgenen, dem Unsichtbaren und dem Unerreichbaren. Das heißt konkret: Ich kann ausgestorbene Tiere wieder zum Leben erwecken, einen Blick in den menschlichen Körper ermöglichen, Moleküle sichtbar machen oder ferne Galaxien darstellen. Phänomene, die keine herkömmliche Kamera erfassen kann. Und das ist der perfekte Einsatz für 3D-Grafik!
Der entscheidende Punkt ist aber nicht nur die Visualisierung – sondern die Reduktion. Ich hebe hervor, was wirklich wichtig ist, filtere zweitrangiges heraus und baue aus den selektierten Inhalten eine verständliche Geschichte. Und das im engen Austausch mit der entsprechenden Fachbegleitung.
Wer sind deine Kund*innen?
Vor allem Museen, Forschungseinrichtungen und Science Center. Aber auch Medienformate, die Wissenschaft erklären – von Magazinen bis zu YouTube-Kanälen.
Zu meinen konkreten Kunden gehören zum Beispiel das Landesmuseum Hannover, das phaeno in Wolfsburg und internationale Häuser wie das Naturalis Biodiversity Center in Leiden und das Natural History Museum Abu Dhabi.
Wo liegt die größte Herausforderung?
Naturwissenschaftliche Erkenntnisse so zu übersetzen, dass sie zugänglich werden, ohne an Tiefe zu verlieren. Viele Forschende sind extrem tief im Thema. Für ein breites Publikum braucht es eine andere Perspektive: klar erzählt, aber fachlich präzise. Genau dort setzt Nartillus an.
Was hast du auf dem Weg in die Gründung gelernt?
Man muss an einer Idee arbeiten, sie immer wieder weiterentwickeln und schärfen. Eine Gründung entsteht nicht aus einer Marktlücke – sondern aus einem Menschen. Denn am Ende baut man ja etwas, das eng mit der eigenen Persönlichkeit verbunden ist. Und dafür braucht man Erfahrung, Geduld und die Bereitschaft, Umwege zu gehen. Ich habe nicht gefragt: Was braucht der Markt? Ich habe gefragt: Was bin ich? Die Antwort hat fünfzehn Jahre gebraucht. Und die Antwort entwickelt sich stets weiter.
Welche Rolle hat hannoverimpuls gespielt?
Eine ziemlich wichtige. Ich habe mich von Hannoverimpuls beraten lassen und Unterstützung bei der Gründung bekommen – vom Businessplan bis zur konkreten Positionierung. Was mir besonders geholfen hat: das Netzwerk. Nach vielen Gesprächen hatte ich plötzlich Kontakte, die mir konkret weitergeholfen haben auf meinem Weg zu bleiben.
Wie geht es jetzt weiter?
Ich möchte Nartillus weiter ausbauen und noch stärker international arbeiten. Der Bedarf ist da – gerade, weil Wissenschaft immer komplexer wird und gleichzeitig verständlich kommuniziert werden muss. Am Ende geht es immer um dieselbe Frage: Wie machen wir Wissen sichtbar? Und genau daran arbeite ich. Den animierten T-Rex-Film kennen viele aus dem Landesmuseum. Wer sehen möchte, wie er entstanden ist und was seitdem noch alles sichtbar gemacht wurde, findet das auf nartillus.de.
Kontakt:
© Nartillus, Arthur Ulmann
+49 511 53 46 07 90