Gründungsstory Juni 2026: Nartillus

20.05.2026  -  Wissenschaft sichtbar machen. Wer mit seiner Familie schon mal im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover war, kommt an dem 3D-Film über den T-Rex nicht vorbei. Die stereoskopische Animation läuft seit Jahren täglich in Schleife, aber nur die wenigsten kennen die spannende Geschichte und Entstehung dieses Exponats. Arthur Ulmann war Student, als er den Film erschuf. Heute gründet er in Hannover ein Studio, das genau das zur Berufung macht: naturwissenschaftliche Inhalte mit moderner 3D-Grafik visualisieren. Mit seinem Studio Nartillus macht er sichtbar, was sonst verborgen bleibt: ausgestorbene Tiere, biologische Prozesse und Daten aus der Forschung.

Arthur, was genau machst du?

Ich unterstütze Museen, Science Center und Forschungseinrichtungen dabei, komplexe wissenschaftliche Inhalte visuell verständlich zu machen – mit 3D-Animationen, interaktiven Exponaten und Datenvisualisierungen. Es geht darum, Dinge sichtbar zu machen, die man sonst nicht sehen kann – und sie so zu erzählen, dass sie hängen bleiben.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich habe als Werkstudent in der Forschung und Entwicklung bei Volkswagen gearbeitet, mit der Aussicht auf einen sicheren Job. Parallel dazu kam ein Projekt vom Landesmuseum Hannover: eine Animation über einen T-Rex. Ich habe mich für den T-Rex entschieden. Und damit eigentlich auch für meinen Weg. Danach folgten immer mehr Projekte aus dem naturwissenschaftlichen Bereich. Ich habe gemerkt, wie groß der Bedarf ist, komplexe Inhalte visuell zu erklären – und wie wenig es dafür gute Lösungen gibt.

Du hast dann sogar noch Biologie studiert – warum?

Ich wollte verstehen, wie Wissenschaft funktioniert – nicht nur von außen, sondern wirklich im Detail. Also Labor, Datenanalyse, wissenschaftliche Publikationen. Das hat meine Arbeit komplett verändert. Heute kann ich mich viel besser in die Perspektive von Forschenden hineinversetzen. Ich verstehe die Inhalte – und kann sie gleichzeitig so übersetzen, dass sie auch für eine breite Öffentlichkeit nachvollziehbar sind.

Wann wurde daraus ein Geschäftsmodell?

Schon während des Studiums habe ich für Professoren Animationen erstellt, die sie in Vorlesungen eingesetzt haben. Parallel kamen Anfragen von Museen. Nach dem Studium habe ich dann bewusst den Weg zurück in die 3D-Branche gesucht, viel ausprobiert, Projekte gemacht, Kontakte aufgebaut. Irgendwann war klar: Ich will genau an dieser Schnittstelle arbeiten – zwischen Design und Wissenschaft. So ist Nartillus entstanden.

Was macht Nartillus besonders?

Ich bewege mich mit meinen Arbeiten in vier Bereichen: dem Vergangenen, dem Verborgenen, dem Unsichtbaren und dem Unerreichbaren. Das heißt konkret: Ich kann ausgestorbene Tiere animieren, in den menschlichen Körper schauen, Moleküle sichtbar machen oder ferne Galaxien darstellen. Dinge, die keine Kamera erfassen kann.

Der entscheidende Punkt ist aber nicht nur die Visualisierung – sondern die Reduktion. Ich filtere heraus, was wirklich wichtig ist, und baue daraus eine verständliche Geschichte.

Wer sind deine Kund*innen?

Vor allem Museen, Forschungseinrichtungen und Science Center. Aber auch Medienformate, die Wissenschaft erklären wollen – von Magazinen bis zu YouTube-Kanälen. Zu meinen Kunden gehören zum Beispiel das Landesmuseum Hannover, das phaeno in Wolfsburg oder internationale Häuser wie das Naturalis Biodiversity Center in Leiden.

Wo liegt die größte Herausforderung?

Wissenschaft so zu übersetzen, dass sie verständlich wird, ohne sie zu vereinfachen. Viele Forschende sind extrem tief im Thema. Für eine Ausstellung oder ein breites Publikum muss man die Inhalte aber herunterbrechen – ohne dass sie an Qualität verlieren. Genau an dieser Schnittstelle arbeite ich.

Was hast du auf dem Weg in die Gründung gelernt?

Dass man sich Zeit nehmen sollte. Die Idee muss sich entwickeln – und man selbst auch. Es bringt nichts, nur eine Marktlücke zu suchen. Am Ende baut man etwas, das eng mit der eigenen Persönlichkeit verbunden ist. Und dafür braucht man Erfahrung, Geduld und die Bereitschaft, Umwege zu gehen.

Welche Rolle hat hannoverimpuls gespielt?

Eine wichtige. Ich habe mich dort beraten lassen und Unterstützung bei der Gründung bekommen – vom Businessplan bis zur Positionierung. Was mir besonders geholfen hat: das Netzwerk. Nach vielen Gesprächen hatte ich plötzlich Kontakte, die mir konkret weitergeholfen haben. Das hat einiges beschleunigt.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich möchte Nartillus weiter ausbauen und noch stärker international arbeiten. Der Bedarf ist da – gerade weil Wissenschaft immer komplexer wird und gleichzeitig verständlich kommuniziert werden muss. Am Ende geht es immer um dieselbe Frage: Wie machen wir Wissen sichtbar? Und genau daran arbeite ich.

Anke Pawla, Projektleiterin Gründung und Entrepreneurship bei hannoverimpuls über Arthur Ulmann und Nartillus:

„Mit Nartillus zeigt Arthur Ulmann eindrucksvoll, wie aus wissenschaftlicher Expertise, kreativer Exzellenz und unternehmerischem Mut ein innovatives Geschäftsmodell entstehen kann. Solche Gründungen stärken nicht nur den Wissenschafts- und Kreativstandort Hannover, sondern machen komplexes Wissen für viele Menschen zugänglich und erlebbar.“

Kontakt:

studio@nartillus.de

+49 511 53 46 07 90

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