Das Projekt „360° - Erfolgreich Dual virtuell“

01.12.2022 -  Auch eine Folge der Pandemie: Junge Menschen – besonders Neuzugewanderte – haben es immer schwerer, Erfahrungen in der Berufsorientierung in Unternehmen zu sammeln. Doch es gibt pfiffige Ideen, um Abhilfe zu schaffen. Bernd Schlierf und Rainer Krüger vom Institut für Pädagogische Professionalität e.V. (IPP) berichten über ihr Projekt, bei dem VR-Brillen eine zentrale Rolle spielen. 
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360 Grad virtuell - Berufe erkunden mit VR-Brille

Betriebliche Alltagssiutationen erleben - mithilfe der VR-Brille

Sie haben gemeinsam mit den "Brückenbauer*innen" den Weg der „virtuellen Berufsorientierung“ entwickelt und ihr Projekt „360° - Erfolgreich Dual virtuell“ genannt. Berufliche Alltagssituationen aus verschiedenen Berufsfeldern werden dabei mit VR-Brillen anschaulich vorgestellt und erkundet. Ziel ist es, Sozialkompetenzen in betrieblichen Alltagssituationen zu reflektieren und trainieren.

Interview mit Bernd Schlierf und Rainer Krüger

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Tim Mittelstaedt von der Region Hannover schult die Teilnehmer beim Umgang mit der Technik

Sie beide betreuen das Projekt, an dem  sogenannten „Brückenbauer*innen“ mitwirken. Wer ist das?

Das sind engagierte und sehr motivierte Geflüchtete, die eine duale Ausbildung absolvieren oder diese bereits erfolgreich abgeschlossen haben. Sie kommen aus verschiedenen Herkunftsländern, z.B. Sudan, Irak, Eritrea oder Syrien. Wir arbeiten im Team bereits seit vielen Jahren eng zusammen. So haben wir im mittlerweile abgeschlossenen Projekt „Erfolgreich Dual“ u.a. gemeinsam Informationsveranstaltungen in Flüchtlingsunterkünften oder in Schulen durchgeführt. Da wir im Team  unterschiedliche Sprachen vertreten haben, können wir bedarfsorientiert reagieren.

Wie können wir uns das Arbeiten im Projekt genau vorstellen?

Wir haben mit Hilfe der Brückenbauer*innen eine Lernwerkstatt eingerichtet, in der VR-Videos mit Szenen aus dem Berufsalltag produziert werden, Diese VR-Videos nutzen wir, um mit Jugendlichen zum Thema „Ausbildung“ zu arbeiten, die u.a. Migrations- und Fluchterfahrungen haben. Die Szenen sind authentisch, weil sie zum einen in betrieblichen Umgebungen erstellt werden, und zum anderen, weil die persönlichen Berufserfahrungen der Brückenbauer*innen die Auswahl der Themen bestimmen. Sie werden dazu in der VR-Technik geschult, produzieren Videos und agieren als Laienschauspieler*innen. Damit werden sie zu „Role Models“ für andere mit denselben Erfahrungen.

Wer ist die Zielgruppe?

Zum einen sind es Jugendliche, die auf der Suche nach einem Ausbildungsberuf sind. Aber auch diejenigen, die bereits in Ausbildung sind, können von unserem Projekt profitieren. Wir wollen auch Frauen ansprechen, die sich über „klassische Männerberufe“ informieren möchten. So möchten wir Rollenklischees in der Arbeitswelt aufbrechen und Neugier wecken. Last but not least: Das Projekt reagiert auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland und richtet sich auch auf ukrainische Geflüchtete. 

Allen Beteiligten soll ein großes Spektrum an Berufsmöglichkeiten vorgestellt werden. Wir wollen auch dazu beitragen, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, indem sich  Jugendliche schon vor der Entscheidung für einen Ausbildungsweg  über Anforderungen und Arbeitsabläufe informieren können.

Welche Erfahrungen haben die Teilnehmer*innen bislang gemacht?

Wir, als Projektleiter, nehmen uns viel Zeit, um mit den Brückenbauer*innen über deren Erfahrungen mit herausfordernden Situationen während der Ausbildung zu sprechen. Dabei können die Teilnehmenden das Erlebte gemeinsam reflektieren und Entwicklungen neu einordnen. Es erfolgt eine Art der „kulturellen Übersetzung“ im Berufsalltag.  Damit ist ein Lerneffekt auch für die Ersteller*innen der Videos verbunden, nicht nur für die Nutzer*innen. Sie entwickeln sich ständig weiter. Das ist wirklich großartig zu beobachten!

Wer steckt eigentlich hinter dem Projekt?

Neben der Lotto Sport Stiftung und der Repha GmbH Biologische Arzneimittel fördert die  Region Hannover das Team Brückenbauer*innen im nunmehr fünften Jahr. Dr. Mahzad Peschke von der Beschäftigungsförderung verantwortet die inhaltliche Konzeption, Tim Mittelstaedt von der Wirtschaftsförderung das technische Konzept. Wir beide führen die Schulungen durch und betreuen die Sitzungen vor Ort.

Besteht die Möglichkeit, im laufenden Projekt mitzumachen?

Ja, natürlich! Gerne können sich junge Menschen aus allen Ländern und in den unterschiedlichen Ausbildungsphasen – vor Ausbildungsbeginn oder jene, die sich bereits in einer Ausbildung befinden an uns wenden.

Und wir freuen uns über Kontakt zu Unternehmen, die bereit sind, dass wir bei ihnen Videos drehen.

Sind Sie interessiert?

Dann wenden Sie sich gerne an unsere Ansprechpartnerin (siehe Kontakt)

oder 

Bernd Schlierf, IPP
kontakt@beratundtat.de 
Tel. 0152-28945796  

Infos gibt es auch auf Instagram unter @erfolgreichdual. 

Kontakt

Region Hannover
Dr. Mahzad Peschke
Projektkoordination
Region Hannover
Beschäftigungsförderung
Fachbereich Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung
Mahzad Peschke
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