Postpartale Depression früh erkennen und besser behandeln: Hannover will Modellregion werden

Frauen werden während der Schwangerschaft und nach der Geburt eng medizinisch begleitet. Trotzdem kann eine postpartale Depression lange unentdeckt bleiben – und selbst wenn sie erkannt wird, beginnt für Betroffene häufig die schwierige Suche nach der richtigen Hilfe. Das soll sich in Hannover ändern: Zentrale Akteure des Gesundheitswesens wollen gemeinsam ein neues Versorgungsmodell entwickeln und Hannover zur Modellregion für die bedarfsgerechte psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung bei postpartaler Depression machen.

Den Anstoß gibt hannoverimpuls mit der Health Innovation Hannover Region (HIHR). Sie hat Leistungsträger aus Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Geburtshilfe, Hebammenversorgung, Krankenkassen und weiteren Bereichen an einen Tisch gebracht. Nach einem ersten Auftaktworkshop soll aus dem Schulterschluss jetzt ein konkretes Versorgungsmodell entstehen. hannoverimpuls will den Prozess koordinieren und gemeinsam mit den Partnern eine Förderung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) auf den Weg bringen.

Viele Kontakte – und trotzdem eine Versorgungslücke

Etwa zehn bis 15 Prozent der Mütter sind von einer postpartalen Depression betroffen. Gleichzeitig haben Frauen von der Schwangerschaft bis in die ersten Lebensmonate ihres Kindes zahlreiche Kontakte mit dem Gesundheitssystem: mit Gynäkolog*innen, Hebammen, Geburtskliniken und später Kinderärzt*innen. Doch die psychische Gesundheit der Mutter wird dabei nicht durchgängig systematisch erfasst. Hinzu kommt: Wird ein Hilfebedarf erkannt, sind Zuständigkeiten und Angebote für Betroffene oft schwer zu überblicken. Gerade an den Übergängen zwischen Früherkennung, Diagnostik und Behandlung können Versorgungslücken entstehen.

Genau diese Lücken will Hannover schließen.

Statt ein weiteres Einzelangebot zu schaffen, sollen vorhandene Strukturen und digitale Unterstützungsangebote zu einem verlässlichen Versorgungspfad verbunden werden. Hilfebedarf soll früher erkannt, die Dringlichkeit eingeschätzt und die Patientin möglichst direkt dorthin vermittelt werden, wo sie die für ihre Situation passende Unterstützung erhält.

Eine zentrale Lotsenfunktion über einen Chatbot könnte dabei Orientierung geben, Zugänge koordinieren und Frauen auch dann begleiten, wenn nicht unmittelbar ein Therapieplatz verfügbar ist. Digitale Angebote können Information, Ersteinschätzung und Navigation unterstützen, persönliche und therapeutische Versorgung aber nicht ersetzen.

Vom Nebeneinander zum gemeinsamen Versorgungssystem

Das Besondere an dem Vorhaben ist der Schulterschluss der Leistungsträger. Die notwendigen Kompetenzen sind in Hannover bereits vorhanden – in universitärer Medizin, Kliniken und Praxen, Psychiatrie und Psychotherapie, Geburtshilfe, Hebammenversorgung, Pädiatrie, psychosozialen Angeboten, bei Krankenkassen und digitalen Gesundheitsanbietern. Künftig sollen sie stärker als gemeinsames Versorgungssystem zusammenspielen.

Nicht die Patientin soll das Versorgungssystem finden müssen. Das Versorgungssystem muss so organisiert sein, dass es die Patientin rechtzeitig erreicht und zuverlässig begleitet.

Diese Leitidee soll nun in ein gemeinsames Modell übersetzt werden: von früher Information und Erkennung über eine bedarfsgerechte Einschätzung und Steuerung bis zur psychiatrischen, psychotherapeutischen oder psychosozialen Behandlung.

hannoverimpuls treibt Modellregion und Förderantrag voran

Als Impulsgeber und Vernetzer übernimmt hannoverimpuls mit der Health Innovation Hannover Region eine zentrale Rolle. Der Auftaktworkshop hat erstmals die unterschiedlichen Perspektiven entlang der Versorgungskette zusammengeführt und Versorgungslücken aus Sicht der Betroffenen sichtbar gemacht. Jetzt soll daraus ein gemeinsames Vorhaben der beteiligten Leistungsträger werden.

Workshop Auftakt

Der nächste konkrete Schritt ist die Entwicklung eines Förderantrags beim G-BA. Ziel ist, die bedarfsorientierte Versorgungssteuerung in Hannover praktisch zu erproben und wissenschaftlich zu evaluieren: Wie lassen sich gefährdete Frauen früher erreichen? Wie kann der individuelle Unterstützungsbedarf verlässlich eingeschätzt werden? Und wie gelingt eine schnelle Vermittlung in die jeweils passende Versorgung, ohne dass Patientinnen an institutionellen oder sektoralen Grenzen verloren gehen?

Ein Modell auch für andere Versorgungslücken

Gelingt das Vorhaben, könnte Hannover nicht nur die Versorgung von Frauen mit postpartaler Depression verbessern. Die Modellregion könnte zugleich Erkenntnisse dafür liefern, wie psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung grundsätzlich stärker regional vernetzt und nach dem tatsächlichen Bedarf der Patient*innen gesteuert werden kann.

Das Ziel: aus vielen guten Angeboten ein funktionierendes Versorgungssystem machen.

Kontakt

hannoverimpuls
Projektleiterin Health Innovation Hannover Region
Tanja Haberstein
Projektleiterin Health Innovation Hannover Region
hannoverimpuls GmbH

Junge Frau mit langen braunen Haaren und Brille, grünem Blazer, lächelt vor hellem Hintergrund.
hannoverimpuls
Head of Health Innovation Hannover Region
Kristina Wilms
Head of Health Innovation Hannover Region
hannoverimpuls GmbH

Frau mit Dutt, Brille, rotem Lippenstift, schwarzem Blazer, lila Shirt und grünem Anhänger lächelt vor weißem Hintergrund.
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