Von Kiew nach Hannover

12.06.2026  -  Viktoriia Roh hat mit Unterstützung der Koordinierungsstelle „Frau und Beruf“ ihren Weg von der Ukraine nach Deutschland gefunden und sich erfolgreich integriert.
v.l.n.r.: Mila Marinova (Frau und Beruf), Victoriia Roh und Dirk Moch (Ludwig Bertram GmbH)

Eine Geschichte von Hoffnung und Resilienz

Viktoriia Roh ist in der ukrainischen Hauptstadt Kiew geboren und aufgewachsen. Dort absolvierte sie ihr Studium im Bereich Wirtschaft und Management und arbeitete in verschiedenen Firmen. Sie hat umfassende Erfahrungen in den Bereichen Analyse und Planung sowie in der Teamleitung eines Produktionsunternehmens gesammelt. Ihre wahre Leidenschaft jedoch gilt der Buchhaltung. Seit 2009 war sie als leitende Buchhalterin in einem ukrainischen Unternehmen tätig.

Mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 sah sich Viktoriia gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und ein neues Leben in Deutschland mit ihren Kindern zu beginnen.

Aufbruch in eine neue Zukunft

Im März 2022 kam sie mit ihren beiden Kindern, ihrem 20-jährigen Sohn und ihrer 15-jährigen Tochter, nach Deutschland, während der Rest ihrer Familie in der Ukraine zurückblieb. In ihrer Heimat arbeitete Viktoriia Roh bereits in einer Führungsposition. Der Wunsch, ihren Kindern neue Möglichkeiten zu bieten und Sicherheit zu gewährleisten, war der entscheidende Antrieb für ihre Flucht.

 

In Deutschland angekommen, wusste Viktoriia, dass sie jede Gelegenheit nutzen musste, um sich zu integrieren. Sie besuchte Integrationskurse und erwarb ein B2-Zertifikat in Deutsch. Außerdem absolvierte sie eine Weiterbildung zum Thema „Finanzbuchhaltung mit DATEV“ bei der WBS TRAINING AG. Sie hatte von Anfang an eine hohe Motivation, in Deutschland Arbeit zu finden, und vor allem auch ihre bisherigen Berufserfahrungen weiter zu nutzen. Als Viktoriia in der Weiterbildung erfuhr, dass die deutsche und die ukrainische Buchhaltung sich gar nicht so stark unterscheiden, war sie erleichtert. Diese Erkenntnis stärkte ihr Vertrauen, auch im deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können.

 

Im Jahr 2024 nahm sie an einer Veranstaltung des ukrainischen Vereins in Hannover teil und lernte dort die Koordinierungsstelle Frau und Beruf der Region Hannover kennen. Diese bietet ein umfassendes Beratungs- und Informationsangebot, ein vielfältiges Seminarprogramm sowie gezielte Vernetzungsmöglichkeiten und fungiert als zentrale Schnittstelle zwischen Unternehmen, Akteurinnen der Wirtschaft und relevanten Institutionen in der Region Hannover. Zusätzlich wurde Viktoriia die Beratung bei Mila Marinova von „Frau und Beruf“ von einer ukrainischen Freundin empfohlen, die ebenfalls in Hannover lebt.

 

Unterstützung durch ein starkes Netzwerk

Die Koordinierungsstelle Frau und Beruf ist eine anerkannte Beratungsstelle zur beruflichen und betrieblichen Förderung von Frauen in der Region Hannover. Über die individuelle Beratung hinaus übernimmt sie eine strategische Schnittstellenfunktion zwischen Arbeitsmarkt, Unternehmen, Weiterbildungsträgern und regionalen Akteur*innen.

 

Sie unterstützt nicht nur Frauen beim (Wieder-)Einstieg, der beruflichen Neuorientierung oder während Phasen familiärer Verantwortung, sondern wirkt zugleich aktiv an der Fachkräftesicherung und Standortentwicklung mit. Durch die gezielte Aktivierung, Qualifizierung und Bindung weiblicher Fachkräfte trägt die Koordinierungsstelle dazu bei, vorhandene Arbeitskräftepotenziale für die regionale Wirtschaft besser zu erschließen.

Viktoriia kam über eine ukrainische Freundin zur Beratungsstelle und vereinbarte einen Termin bei Mila Marinova. Mila Marinova half ihr mit viel Verständnis und Empathie, ihre Bewerbungsunterlagen zu optimieren und sich für mögliche Vorstellungsgespräche vorzubereiten.

 

Der Überbetriebliche Verbund Hannover Region e. V. (ÜBV e. V.) ist ein Zusammenschluss kleiner und mittelständischer Unternehmen mit dem Ziel zukunftsorientierter Personalplanung unter dem Gesichtspunkt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

In dem Rahmen hat ein paar Wochen nach der Beratung von Viktoriia Roh ein Netzwerkfrühstück des ÜBV e. V. stattgefunden. Unter anderem war auch Dirk Moch, einer der Geschäftsführer der Ludwig Bertram GmbH dabei, das seit 2004 ÜBV-Mitglied ist. Herr Moch äußerte, dass sein Unternehmen aktuell dringend eine Person für die Buchhaltung sucht. Für ihn war wichtig, dass die Person mit Zahlen gut umgehen kann und dass es menschlich passt – die Deutschkenntnisse sind zweitrangig.

Anschließend hat Mila Marinova ihm einige Lebensläufen von Frauen weitergeleitet, die in ihrer Beratung waren, unter anderem auch Viktoriias. Sie wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und hat mit ihrer offenen und kommunikativen Art überzeugt.

 

„Entscheidend war uns bei der Besetzung der Stelle die menschliche Komponente. Viktoriia hat von Anfang an Fragen gestellt, wenn sie etwas nicht verstanden hat. Das war für uns der ausschlaggebende Punkt und eine gute Basis für die Zusammenarbeit im Arbeitsalltag.“

Dirk Moch, Geschäftsführung, Ludwig Bertram GmbH

 

Seit 2025 ist Viktoriia Roh Teil des Teams der Ludwig Bertram GmbH. Von Beginn an erlebte sie ein offenes und unterstützendes Arbeitsumfeld, das ihr ein schnelles Ankommen ermöglichte. Im Kollegium arbeiten auch weitere ukrainische Mitarbeitende, was den Einstieg erleichterte und den fachlichen Austausch förderte. Trotz anfänglicher sprachlicher Unsicherheiten konnte Viktoriia ihre Deutschkenntnisse durch die tägliche Arbeit kontinuierlich ausbauen. Die erfolgreiche Integration zeigt, wie gewinnbringend interkulturelle Offenheit für beide Seiten ist: Auf der einen Seite hochqualifizierte Frauen mit wertvollem Know-how, auf der anderen Seite Unternehmen, die dringend Fachkräfte suchen. Wenn Verständnis, Vertrauen und Offenheit aufeinandertreffen, entstehen nachhaltige Arbeitsverhältnisse, von denen sowohl die Mitarbeitenden als auch die Unternehmen langfristig profitieren.

 

„Gegenseitige Unterstützung im Team gibt mir ein Gefühl der Zugehörigkeit, im Unternehmen und in Deutschland. Ich fühle mich sehr wohl bei der Ludwig Bertram GmbH und bin zufrieden mit meinem Job.“

Viktoriia Roh, Buchhalterin, Ludwig Bertram GmbH

 

 

Zukunftspläne und Träume

Viktoriia Roh ist nicht nur mit ihrer aktuellen Situation zufrieden, sie denkt auch weiter. Bei der Ludwig Bertram GmbH bekommt sie in Zukunft die Chance sich weiterzuentwickeln, und unter anderem beim Jahresabschluss in der Buchhaltung zu unterstützen. Besonders stolz ist sie in diesem Jahr auf ihren Sohn, der seinen Traum verwirklicht hat: Er spricht fließend Deutsch und studiert nun Wirtschaftswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover.

 

Diese Geschichte ist geprägt von Mut, Entschlossenheit und dem starken Wunsch nach einer besseren Zukunft. Die Koordinierungsstelle Frau und Beruf hat sie dabei mit individueller Begleitung und starkem Netzwerk beim beruflichen Neuanfang unterstützt.

 

Besonders wichtig ist das Netzwerk der Koordinierungsstelle Frau und Beruf in Zusammenarbeit mit dem ÜBV e. V. Es bietet Frauen in herausfordernden Lebenslagen eine verlässliche Anlaufstelle. Dort erhalten sie individuelle, lebensphasenorientierte und wertschätzende Unterstützung, die ihnen hilft, ihre Potentiale zu erkennen und sich weiterzuentwickeln.

Kontakt

Region Hannover
Leitung und Beratung Koordinierungsstelle Frau und Beruf
Ayten Berse
Leitung und Beratung Koordinierungsstelle Frau und Beruf
Region Hannover
Beschäftigungsförderung
Fachbereich Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung

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