500.000 Euro Investment, neue Jobs, neue Unternehmen: Was 18 Gründerinnen in Niedersachsen gerade aufbauen

Von Female Health über MedTech bis Cybersecurity: Nach eineinhalb Jahren FemStartup Mentoring zeigen 18 Gründerinnen, wie aus Ideen Geschäftsmodelle, Teams und nächste Wachstumsschritte werden.

500.000 Euro frisches Kapital für ein Female-Health-Startup. Zwei neue Mitarbeiterinnen bei Familientaucher. Und eine Wissenschaftlerin der Medizinischen Hochschule Hannover, die aus medizinischer Forschung ein unternehmerisches Vorhaben entwickelt: Hinter den 18 Teilnehmerinnen des FemStartup Mentorings stehen 18 sehr unterschiedliche Gründungsgeschichten – und die gemeinsame Frage, wie aus einer guten Idee ein tragfähiges Unternehmen wird.

Eineinhalb Jahre lang haben die Gründerinnen an ihren Geschäftsmodellen gearbeitet, Finanzierungswege ausgelotet, sich auf Gespräche mit Investor*innen vorbereitet und ihre nächsten Wachstumsschritte geplant. Jetzt ist das Programm von Gründerinnen-Consult mit rund 80 Gästen aus Startup-, Innovations- und Wirtschaftsökosystem in der Kestner Gesellschaft Hannover zu Ende gegangen.

Empfang

Vom Pitch-Erfolg bis zum Investment

Wie unterschiedlich unternehmerische Entwicklung aussehen kann, zeigen drei der Gründerinnen besonders deutlich.

Friederike Eike hat mit Familientaucher ein Angebot zur Beratung und Begleitung von Pflegefamilien aufgebaut. In den vergangenen eineinhalb Jahren ist nicht nur das Unternehmen gewachsen: Zwei neue Mitarbeiterinnen gehören inzwischen zum Team. Beim Pitch-Wettbewerb „Höhle der Karpfen“ auf dem Maschseefest überzeugte Familientaucher zudem die Jury.

Einen wichtigen Finanzierungsschritt haben Constanze Stock und Katja Ohly-Nauber mit ihrem Unternehmen ALL ABOUT MIDLIFE erreicht. NBank Capital beteiligt sich mit 500.000 Euro an dem Female-Health-Startup. Gemeinsam mit Business Angels erhält das Unternehmen damit zusätzliches Kapital für seine nächste Wachstumsphase.

Die Gründerinnen wollen ihre digitale Female-Longevity-Plattform für Frauen ab 40 weiterentwickeln, neue Angebote schaffen und ihr Team verstärken.

Ein ganz anderer Weg führt von der Wissenschaft ins Unternehmertum: Dr. Beate Vajen entwickelt mit der GenE³-App ein digitales Angebot für Frauen mit erblich bedingtem Brust- und Eierstockkrebs. Die Anwendung entstand an der Medizinischen Hochschule Hannover und soll Betroffene mit personalisierten und wissenschaftlich geprüften Informationen dabei unterstützen, informierte Entscheidungen zu treffen.

„Als Wissenschaftlerin komme ich aus einer anderen Welt als viele klassische Startup-Gründer*innen. Das Mentoring hat mir geholfen, GenE³ stärker als Unternehmen zu denken und klarer zu sehen, welche Schritte wir als Nächstes gehen müssen. Besonders wertvoll war für mich, dabei auf die Erfahrungen anderer Gründerinnen und Unternehmerinnen zurückgreifen zu können“, sagt Beate Vajen.

Führung

Wenn aus einer Idee ein Unternehmen werden soll

So unterschiedlich die 18 Vorhaben sind, viele der Fragen ähneln sich: Wie wird aus einer Idee ein belastbares Geschäftsmodell? Welche Finanzierung passt zur nächsten Entwicklungsphase? Wie lässt sich der eigene Kapitalbedarf gegenüber Investor*innen vermitteln? Und welche Kontakte braucht es, damit ein Unternehmen den nächsten Schritt gehen kann?

Gerade der Zugang zu Kapital bleibt für Gründerinnen eine besondere Herausforderung. Weiblich geführte Startups sind bei der Finanzierung nach wie vor strukturell benachteiligt. Das FemStartup Mentoring setzte deshalb einen Schwerpunkt auf Finanzierungsstrategien und Investor*innengespräche.

„Das FemStartup Mentoring verbindet zwei Dinge, die für erfolgreiche Startup-Gründungen entscheidend sind: die Verbindung zu Erfahrung und mit Netzwerken. Unser Ziel war es, die Gründerinnen dabei zu begleiten, ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln, ihre Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten und bestmöglich vorbereitet in Gespräche mit Investor*innen zu gehen“, sagt Vivica Bree, Leiterin Gründerinnen-Consult bei der hannoverimpuls GmbH.

Neben dem individuellen Mentoring gehörten Peer-to-Peer-Sessions sowie fünf Workshops unter anderem zu Business Angels, Venture Capital und strategischen unternehmerischen Fragestellungen zum Programm. 18 erfahrene Mentorinnen aus Wirtschaft und Finanzwelt begleiteten die Gründerinnen als Sparringspartnerinnen, stellten kritische Fragen, brachten eigene Erfahrungen ein und öffneten Zugänge zu relevanten Netzwerken.

Von Cybersecurity über KI bis Female Health

Die 18 Unternehmen zeigen zugleich, wie breit die Gründungsszene in Niedersachsen inzwischen aufgestellt ist. Die Geschäftsideen reichen von Female Health und MedTech über Künstliche Intelligenz und Cybersecurity bis zu nachhaltigen Materialien, Energie, Kreislaufwirtschaft, Food, Fashion und sozialen Innovationen.

Beim Abschluss in der Kestner Gesellschaft gehörte die Bühne deshalb vor allem den Gründerinnen selbst. In Vier-Minuten-Pitches präsentierten ausgewählte Teilnehmerinnen ihre Startups und zeigten, wo sie zu Beginn des Programms standen, welche Meilensteine sie seitdem erreicht haben – und was als Nächstes kommt.

Der Abend markierte damit weniger einen Schlusspunkt als den Übergang in die nächste Phase: neue Kund*innen gewinnen, Teams aufbauen, Kapital einwerben, Produkte weiterentwickeln und aus einer Gründung ein wachsendes Unternehmen machen.

Über FemStartup Mentoring

Das FemStartup Mentoring von Gründerinnen-Consult begleitet Female Startups bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle, beim Zugang zu Kapital und Netzwerken sowie bei ihrer beruflichen und unternehmerischen Entwicklung.

Finanziert wird das Projekt mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) und des Landes Niedersachsen im Programmgebiet „Stärker entwickelte Regionen (SER)“ für die Förderperiode 2021–2027 im Rahmen der RIKA-Richtlinie „Förderung von Regionalen Initiativen und Kooperationen für Frauen am Arbeitsmarkt – Modellprojekte“ sowie aus Mitteln des Landes Niedersachsen und der hannoverimpuls GmbH.

Vorträge und Pitches

Teilnehmerinnen und Gründungsvorhaben des FemStartup Mentorings

  • ALL ABOUT MIDLIFE – Constanze Stock und Katja Ohly-Nauber | Female Health – Frauengesundheit und Midlife
  • bonbana – Yad Ismail | Modest Fashion – funktionale Hijab-Accessoires
  • enditle. – Tatjana Rauls | LegalTech / KI – Analyse und Dokumentation digitaler Gewalt und Konfliktmuster
  • Familientaucher – Friederike Eike | Social Impact – Beratung und Begleitung von Pflegefamilien
  • GenE³-App – Dr. Beate Vajen | Digital Health, Humangenetik – Begleitung bei erblichen Krebserkrankungen
  • revamont – Maria Pavlov | Digital Solutions – Prozess- und Softwareoptimierung
  • Langes Gemüseglück – Jennifer Lange | Circular Economy – nachhaltige Verwertung von Lebensmittelresten
  • LIGARO – Mona Körding | GreenTech – proteinbasierte & nachhaltige Holz-Klebstoffe
  • Liontech Instruments – Roxane Kirschmann | Cyber- & Hardware Security – hardwarebasierte Malware-Erkennung
  • Lunix – Sabrina Deicke | EnergyTech – Lösungen für die Energiewirtschaft
  • nimbo – Elisabeth Mach | MedTech – Begleiter für Kinder mit Diabetes
  • Phonomatics – Dr.-Ing. Hanna Ehlert | Digital Health / KI – automatisierte Sprachanalyse bei Kindern
  • Pflanzen Stube – Pia Taphorn | Food  – vegane Online-Konditorei
  • pnprotect – Maja Lehmann | MedTech – aktive Kühl- und Kompressionssysteme
  • trilbi – Alina Knobloch | CareerTech – digitale Berufsorientierung
  • Was Geht – Ronja Nickel | Event-App – lokale Kultur und Veranstaltungen
  • wetreatme – Valerija Braun | Corporate Health – betriebliche Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz
  • EUPHONIA – Antonia Schuster | Voice & Communication – Stimm- und Sprechcoaching

Kontakt

hannoverimpuls
Projektleiterin Gründerinnen-Consult
Sandra Skupin
Projektleiterin Gründerinnen-Consult
hannoverimpuls GmbH

Frau mit schulterlangen Haaren in schwarzem Blazer, Arme verschränkt, vor hellem Hintergrund.
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