Ein Neuanfang schafft echte Zukunftsperspektiven für Fachkräfte und Kitas
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Fachkräftemangel braucht neue Wege
Die Zahlen sind eindeutig: Der Bedarf an pädagogischen Fachkräften in der Region Hannover wächst rasant. Im Jahr 2025 lag der Bedarf bereits bei ca. 8.025 Vollzeitäquivalenten (VZÄ), von denen nur rund 7.185 Vollzeitstellen besetzt waren. Bis 2035 werden voraussichtlich rund 11.000 Fachkräfte benötigt – bei ähnlicher Verteilung heißt das trotz hoher Ausbildungszahlen eine Versorgungslücke von fast 2.800 Vollzeitstellen.
Die Folgen sind längst im Alltag spürbar: Kita-Gruppen müssen zeitweise schließen, Öffnungszeiten werden eingeschränkt, Fortbildungen entfallen und die Belastung für die Teams steigt kontinuierlich. Gleichzeitig verlassen viele Beschäftigte den Beruf früher als geplant.
Klar ist, dass die klassischen Ausbildungswege allein den Bedarf nicht decken werden. Deshalb setzt die Region Hannover auch auf internationale Fachkräfte.
Ein Programm, das mehr bietet als einen Job
Genau hier setzt das Projekt „Hola Kita!“ an. Was im ersten Durchgang noch unter dem Namen „Anerkennungsbegleitung spanischer Erzieher*innen“ startete, hat sich inzwischen zu einem wichtigen Baustein der regionalen Fachkräftesicherung im Arbeitsfeld der Kitas entwickelt.
Das Besondere daran ist, dass die Teilnehmenden aus Spanien nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern ein umfassendes Gesamtpaket erhalten. Dazu gehören unter anderem: Unterstützung beim Anerkennungsverfahren, ein fester Arbeitsvertrag, Sprachförderung, Unterricht an der BBS Berufsbildende Schulen Neustadt am Rübenberge, Unterbringung in einer Gastfamilie, intensive Begleitung durch den Projektträger Caritasverband Hannover e.V., sowie gemeinsame Freizeitaktivitäten und Vernetzung mit anderen Teilnehmenden aus Spanien. Der Fokus liegt hierbei auf spanischen Fachkräften, da in Spanien ein Überangebot an Erzieher*innen herrscht und viele im eigenen Land keinen Job finden.
Das Ziel ist die staatliche Anerkennung als Erzieher*in und eine langfristige Beschäftigung in einer Kindertageseinrichtung in der Region Hannover.
Vanesas Weg beginnt in Valencia
Für Vanesa Picher Sánchez war der Wunsch klar: Sie wollte mit Kindern arbeiten. Die 30-Jährige stammt aus Valencia und sammelte bereits früh Erfahrungen in Sommercamps und Praktika im sozialen Bereich. Zunächst absolvierte sie in Spanien eine zweijährige Ausbildung zur Sozialassistentin für den Bereich der 0- bis 3-Jährigen. Bestandteil der Ausbildung war unter anderem ein zweimonatiges Praktikum in Dublin. Um auch mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren pädagogisch arbeiten zu können, entschied sie sich danach für ein vierjähriges Studium der Frühkindlichen Bildung in Valencia.
Auf der internationalen Jobplattform InfoJobs entdeckte sie nach Abschluss ihres Studiums das Projekt der Region Hannover, was sie überzeugte. Die Teilnehmer*innen müssen einen spanischen Universitätsabschluss „Grado en Educación Infantil“ vorweisen, welcher vergleichbar mit dem Abschluss staatlich anerkannte Erzieherin ist. Nach erfolgreicher Bewerbung und absolvierter Hospitationswoche des Programms im Jahr 2024 kam Vanesa am 21. Januar 2025 nach Deutschland.
Eine neue Arbeitswelt kennenlernen
Schon während der Hospitationswoche in der Einrichtung Corpus Christi des Katholischen Familienzentrums der Kirchengemeinde St. Raphael in Garbsen war Vanesa begeistert von der Arbeit in einer deutschen Kita, dennoch war vieles neu. In Spanien sind Kindertagesstätten deutlich stärker strukturiert und verschulter in Form von regelmäßigem Unterricht wie in einer Vorschule. In Deutschland steht hingegen das freie Spielen und eigenständige Lernen im Fokus, weshalb sich die Rolle der pädagogischen Fachkraft deutlich unterscheidet.
Doch genau dafür war das Anerkennungsjahr da. Während ihrer Qualifizierung arbeitete Vanesa in Krippe, Kita und Hort und entwickelte Schritt für Schritt Sicherheit im deutschen Kita-Alltag. Besonders begeistert hat sie die Freundlichkeit und Offenheit, die Selbstständigkeit der Kita-Kinder und, dass mehr Personal für die Kinder zur Verfügung steht. In Spanien muss eine Erzieher*in 25 Kinder betreuen, wo hingegen bei der gleichen Anzahl an Kindern in Deutschland mind. zwei Erzieher*innen vorgesehen sind.
Unterstützung, die weit über den Beruf hinausgeht
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Ein entscheidender Erfolgsfaktor des Projekts ist die intensive Begleitung durch den Caritasverband Hannover e.V. Die Ansprechpartnerin Sabrina Heinrich spricht fließend spanisch und unterstützt die Teilnehmenden nicht nur bei organisatorischen Fragen, sondern oft auch in persönlichen Lebenssituationen. Sie hilft beispielsweise bei Behördengängen, Verträgen, Wohnungssuche, Übersetzungen, Prüfungsvorbereitungen sowie Fragen rund um den Alltag in Deutschland. Außerdem ist sie während des Anerkennungsjahres regelmäßig vor Ort in den Kitas zu Besuch, informiert über anstehende Praxisbesuche und hilft bei der Vorbereitung auf Prüfungen an der BBS.
Als Vanesa nach sechs Monaten gemeinsam mit einer anderen Teilnehmerin eine Wohnung suchte, unterstützte die Caritas zum Beispiel aktiv bei Gesprächen mit Vermieter*innen und erklärte das Projekt hinsichtlich des Aufenthalts in Deutschland und fehlender Gehaltsnachweise. Auch heute, nach Abschluss des Programms, weiß Vanesa, dass sie sich jederzeit bei ihrer Ansprechpartnerin melden kann.
Ankommen heißt auch dazugehören
Neben der beruflichen Integration spielte auch das soziale Umfeld eine wichtige Rolle. Zunächst lebte Vanesa bei einer Gastfamilie mit spanischen Wurzeln. Seit Juli 2025 wohnt sie gemeinsam mit einer weiteren Teilnehmerin des Programms in einer Wohngemeinschaft in Hannover Mitte. Mit ihrer Gastfamilie hat sie immer noch Kontakt und trifft sich regelmäßig mit ihren ehemaligen Gasteltern.
Ebenso wichtig ist für sie die spanische Community in Hannover. Viele ehemalige Teilnehmende treffen sich regelmäßig, feiern gemeinsam oder schauen – wie zuletzt bei der Fußball-WM – zusammen die Spiele der spanischen Nationalmannschaft.
Für Kerstin Jennrich, Leiterin der Einrichtung Katholisches Familienzentrum Corpus Christi und Geschäftsführerin der vier katholischen Familienzentren in Garbsen, ist das ein entscheidender Erfolgsfaktor:
„Es ist wichtig, Gruppen zum Andocken aus der Heimat vor Ort zu haben. Das erleichtert das Ankommen in einem fremden Land enorm.“
Vielfalt als Stärke im Kita-Alltag
Das Katholische Familienzentrum Corpus Christi gehört zu vier Einrichtungen der katholischen Familienzentren in Garbsen, die inzwischen am Projekt teilnehmen. In der Einrichtung gibt es 13 Mitarbeitende und 85 Kinder. Internationale Teams gehören dort längst zum Alltag. Kolleginnen und Kollegen aus Mexiko, Polen, der Türkei oder Spanien arbeiten selbstverständlich zusammen. Diese Vielfalt erleben auch die Kinder. So kochte Vanesa beispielsweise gemeinsam mit einer Hortgruppe spanische Gerichte und brachte ihre Kultur spielerisch in den Kita-Alltag ein.
Der Träger erhielt aus dem Rathaus in Garbsen die Anfrage zur Teilnahme am Programm. Kerstin Jennrich war überzeugt und hat sich daraufhin mit allen vier Einrichtungen beworben. Im ersten Durchgang durften bereits zwei Einrichtungen teilnehmen. In Durchgang zwei sind dann die anderen beiden Einrichtungen ausgewählt worden. Die einzige Hürde an der Teilnahme war die Suche nach Gastfamilien, die die spanischen Erzieher*innen für mehrere Monate bei sich aufnehmen würden. Durch das Kirchennetzwerk haben sich schnell zwei passende Familien gefunden, die auch im zweiten Durchgang wieder bereit waren eine spanische Fachkraft aufzunehmen.
Der große Meilenstein
Im Januar 2026 war es geschafft. Gemeinsam mit elf weiteren spanischen Teilnehmerinnen bestand Vanesa erfolgreich ihre Anerkennungsprüfung und erhielt die Urkunde des Landes Niedersachsen als staatlich anerkannte Erzieherin. Seit dem 1. Februar 2026 arbeitet sie mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag im Katholischen Familienzentrum Corpus Christi in Garbsen als Springern, morgens in Krippe und Kita und nachmittags im Hort. Heute betreut sie Kinder eigenverantwortlich, kommuniziert direkt mit den Eltern über die Kita-App und übernimmt Verantwortung in Krippe, Kita und Hort. Aus der Teilnehmerin ist längst eine vollwertige Kollegin geworden.
Auch für die Kommunen selbst zahlt sich das Programm aus. Die Region Hannover unterstützt sie administrativ und finanziell während des gesamten Anerkennungsprozesses. Dadurch können qualifizierte Fachkräfte nachhaltig gewonnen und langfristig gebunden werden. Im ersten Durchgang bestanden alle zwölf Teilnehmerinnen ihre Anerkennung erfolgreich. Die meisten haben anschließend in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis in ihrer Einrichtung angefangen zu arbeiten. - Ein Erfolg für alle Beteiligten.
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Zukunft gemeinsam gestalten
Vanesa Picher Sánchez besucht ihre Familie und ihren Freund in Valencia regelmäßig, zuletzt war sie im März und Mai für einen kurzen Besuch in Spanien. Ihr Lebensmittelpunkt liegt inzwischen jedoch in Hannover. Vanesa schätzt den besseren Personalschlüssel, die pädagogische Arbeit, die Sicherheit eines unbefristeten Arbeitsvertrags und die herzliche Aufnahme im Team.
Ihre Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie internationale Fachkräftegewinnung gelingen kann: mit guter Vorbereitung, persönlicher Begleitung und einer echten Willkommenskultur. Denn Fachkräftesicherung bedeutet weit mehr als Personalgewinnung. Sie bedeutet, Menschen eine neue Perspektive zu eröffnen – und gemeinsam Zukunft zu gestalten.
Kontakt
Leena Wilke
Region Hannover
Beschäftigungsförderung
Fachbereich Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung