Ing. Peter Behrens GmbH, Lehrte

Wir haben ein Herz für Studienabbrechende (3) – Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK (Handwerk) 

Jens Niemann

In seiner Funktion als Ausbilder bei Ing. Peter Behrens GmbH ist ein wesentlicher Unterschied zu anderen Bewerbenden die Sozialkompetenz der Studienabbrechenden, das heißt, sie sind schon etwas älter die klassischen Auszubildenden, die zumeist mit 16/17 Jahren ihre Ausbildung beginnen.

Sie haben schon Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht und auch schon Lebenserfahrungen gesammelt. Sie sind insgesamt organisierter, da sie das im Studium auch schon sein müssen. Meist sind sie auch sehr zielstrebig und wollen Ihr Ziel auch schnell erreichen und sind dementsprechend wissbegierig und können sehr gut lernen. Vor allem sind Studienabbrechende auch in der Theorie, die speziell in unserem Beruf der Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung und Klima doch relativ komplex ist, deutlich besser und verstehen eher die Zusammenhänge. 

Mehr Praxis gewünscht

Neben der Einstellung von Didier habe der Handwerksbetrieb bereits Erfahrungen mit Abiturienten gehabt, die dann bei uns eine Ausbildung gemacht haben, weil sie eben etwas Praktisches machen wollen. Einer der Hauptgründe ist, dass die jungen Leute mit ihren Händen arbeiten wollen und schulmüde sind. Häufig sind die Auszubildenden sehr glücklich, dass sie bei uns täglich sehen, was sie wirklich erreicht haben. Das sind natürlich Top-Auszubildende, die Lust auf die Ausbildung, die wissbegierig und zielstrebig sind, und dass macht auch dann allen viel mehr Spaß. Häufig verkürzen diese Auszubildenden ihre Ausbildung.

Wenn das Studium nicht glücklich macht

Ja, Wechsel (Change) das ist glaube ich für viele Auszubildenden oder Jugendliche, auch Studierende ein Thema. Die meisten sind verhaftet in dem Thema: Studienabbrecher – sie haben es nicht geschafft, nicht erreicht, haben Angst Eltern, Freunde zu enttäuschen, das Umfeld, auch das Stigma mit einem abgebrochenem Studium dazustehen und zu sagen: Zu blöd zum Studieren“. Das andere Thema auch eben einmal dazulegen, dass es eben eine Alternative gibt.

Eine Ausbildung machen. Und ich glaube, die allermeisten sind glücklich.

Falsches Bild vom Handwerk

Auf die Frage, was die Ansprache der Ausbildungsinteressierten erschwere, sagt Jens Niemann, dass es sowieso an Öffentlichkeitsarbeit in dem Bereich fehlt. Speziell das Handwerk hat einen negativen Touch, dass ändert sich zwar gerade, aber grundsätzlich sind wir Handwerker eher verrufener, das heißt, die Berufe erscheinen als schlecht bezahlt, ohne Aufstiegschance und nur was für „kognitiv einfach gestrickte Menschen“. Somit sind Abiturienten oder Realschüler kaum gewillt im Handwerk zu lernen.

Wobei auch gerade wieder unser Beruf hochtechnisch und sehr komplex ist, ein sehr breites Feld bietet und absolut umfangreich ist. Wir benötigen eigentlich deutlich mehr Mitarbeiter, die einen hohen Sachverstand haben und hohe Transfair Leistungen erbringen können.

Bei uns sind es die hoch komplexen Heizungs-, Klima- und Lüftungsanlagen und deren Regelung zu verstehen bzw. wie so etwas funktioniert um überhaupt Fehler zu finden und Reparaturarbeiten sinnvoll auszuführen.  Ja und natürlich auch Wartungen uns Service an die Anlage auszuführen und ggf. den Kunden zu beraten. Da fehlt uns eigentlich der Sachverstand, da fehlen uns die Leute. Es ist nach meiner Meinung auch ein gesellschaftliches Problem, das vielen Jugendlichen nur aufgezeigt wird: Mach ein Studium, wenn du Abitur hast. Oder gesagt wird: Du musst lernen, du musst ein Abitur machen, du erreichst nichts, wenn du nicht gut in der Schule bist.

Eine Lösung liegt in der Ausbildungsbereitschaft und im Employer Branding als guter Ausbildungsbetrieb

 Eigene Strategien gefragt

Grundsätzlich ist es, glaube ich, für ländliche Betriebe noch schwieriger an qualifizierte Auszubildende zu kommen, weil man einfach durch das beschränkte Einzugsgebiet und eben die Mobilität im Hintertreffen ist. Da muss man seine eigenen Strategien entwickeln wie schon genannt und ansonsten versuchen wir uns noch ein bisschen zu positionieren. Als guter Ausbildungsbetrieb um einfach da sich nach vorne weg zu bewegen und als Ansprechpartner zu gelten und einen guten Ruf zu haben. Ich versuche den Auszubildenden gut auszubilden, gebe mir mehr Mühe, dies ist mir in letzter Zeit weniger gut gelungen. Aber einfach einen guten Ruf zu haben, auch gut zu bezahlen und ich denke das sind schon wichtige Sachen.

Er selbst beschreibst sich als ein klassisches Gegenbeispiel, da "ich „nur“ einen mittelguten/guten Realschulabschluss gemacht habe. Meine Eltern klar gesagt haben: “Mach eine Ausbildung, danach kannst du machen was du willst“. Ja, und ich durch Ausbildung, Meister, jetzt eben Geschäftsführer und Teilhaber eines 30 Mann Unternehmens bin, was per se ja auch eine relative Erfolgsgeschichte ist, für Jemanden, die im Handwerk auch nicht außergewöhnlich ist, sondern ganz klar Standard im Handwerk ist. Man muss erst einmal nichts Außergewöhnliches sein und können, schulisch gesehen, um jetzt eben erfolgreich im Handwerk zu sein. Deswegen sind die Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen unheimlich wichtig für uns, um einfach überhaupt an solche Bewerber zu kommen."

https://www.peter-behrens-gmbh.de/


 „Umsteigen statt Aussteigen“ ist ein Projekt des Fachkräftebündnisses Leine-Weser und der Region Hannover, gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Kontakt

Region Hannover
Marcus Voitel
Projektmanager Umsteigen statt Aussteigen
Region Hannover
Beschäftigungsförderung
Fachbereich Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung
Marcus Voitel

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